Gendercrossing
Wie schafft es einer, der betrügt, mordet, vergewaltigt und sich skrupellos bereichert, straffrei auszugehen, weil ihm kein einziges Verbrechen nachgewiesen werden kann? Klar, er hegt freundschaftliche Beziehungen zum obersten Polizeichef. Weswegen Macheath alias Mackie Messer, der am Galgen enden soll, gerade noch von der Queen höchstpersönlich begnadigt wird. Ein Prolet würde so etwas nicht schaffen. Er muss schon gewisse Verhaltensregeln und Umgangsformen beherrschen, vor allem Charisma besitzen, auf den ersten Blick sympathisch wirken.
Das sagt man unzähligen berühmt gewordenen Hochstaplern und Betrügern wie Hendrik Holt (verurteilter Windparkbetrüger) oder Jan Marsalek (flüch -tiges Ex-Wirecard-Vorstandsmitglied) nach. Sie bezirzen, wickeln ein, sehen gut, zumindest nett aus. Nein, Mackie Messer, Boss einer zwielichtigen Verbrecherbande, der sowohl im Rotlichtmilieu als auch in der Highsociety ein und aus geht, ist kein Proll.
Parodie der Parodie
In Mannheim hat jetzt Christian Weise Brechts und Weills «Dreigroschenoper» inszeniert. Den Mackie spielt Annemarie Brüntjen: charismatisch, schön, geschmeidig-elegant, mit Menjou-Bärtchen. Mackie Messer ist gleichzeitig auch der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Verena Großkreutz
Szenografisch spannt die Inszenierung einen gewaltigen Bogen: Lessings «Nathan der Weise» beginnt in einem poppig-postapokalpytischen «Mad Max»-Mittelalter – und mündet nach gut zwei Stunden in eine Art Reenactment des Gemäldes «Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Bibliothek des Schlosses Nöthnitz» (1874) von Theobald Reinhold von Oer. Dieser Spagat gelingt...
Das Intendant:innenkarussell dreht sich wieder – und das ist eine gute Nachricht. Denn Ensembles sind Verabredungen auf Zeit, nach fünf oder zehn Jahren sind neue Teams nötig für künstlerische Frischluft und andere Begegnungen. Und die jeweiligen Städte/ Kommunen/Regionen möchten dann auch mal wieder andere ästhetische Handschriften kennenlernen als die...
Die Direktion Stefan Bachmanns am Burgtheater beginnt mit Geistern, nur eben alles andere als gespenstisch. Zahlreiche Menschen mit Bettlaken überm Kopf, jeweils zwei kleine Löcher für die Augen, bevölkern drei unterschiedlich große Scheiben, die Katrin Brack auf der Bühne platziert hat. Die wie gezeichnet aussehenden Spukgestalten starren dann also nach vorne und...
