Geld und Glaube

Guter Kapitalismus, böser Kapitalismus: Am Hamburger Schauspielhaus zeigt Jan Philipp Gloger Ayad Akhtars «Junk», und im Thalia Theater gräbt Johan Simons nach Ayn Rands «Fountainhead»

Theater heute - Logo

Finanzwirtschaft, Aktien, Junk Bonds. Man versteht so wenig. Gut, dass die Wirtschaftsjournalistin Judy Chen (Hannah Müller) gleich zu Beginn von Ayad Akh­tars «Junk» an die Rampe tritt und das Publikum über die groben Eckdaten aufklärt: 1985, Manhattan, die Zeit, als die alten Industrien sich anschickten zusammenzubrechen, die Zeit, als an der Wallstreet Wetten zu einem Geschäft wurden, Wetten, welcher Industriezweig sich als Nächster auflöst, welche Firma als Nächste in die Insolvenz rutscht. «Gerede über Geld war ich gewöhnt», erzählt Chen.

«Aber 1985 drängte sich der Eindruck von etwas Neuem auf. Etwas Aggressivem und Angriffslustigem. Da kam so ein fanatischer Eifer in den Blick der Leute. Als ob eine neue Religion entsteht.»

Fanatischer Eifer und der Einfluss von Re­ligion auf unseren Alltag: Das sind schon immer Akhtars Themen. Mit seinen Erfolgsstücken «Geächtet» und «The Who and the What» konnte man den pakistanischstämmigen US-Amerikaner noch als Soldaten im Kampf der Kulturen missverstehen, als jemanden, der die Gegensätze zwischen muslimischem Fundamentalismus und westlicher Liberalität als zentralen Konflikt der Gegenwart herbeischreiben würde. Dabei ging es Akhtar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Globaler Großentwurf und intimer Moment

Es sieht nicht gut aus, das globale Ökosystem. Mit gesichtskonturverflachenden Masken, dazu Basecaps, auf denen «I love Bingo» steht (wobei das Verb neckisch durch ein rotes Herz ersetzt ist) oder Sweatshirts mit der sachdienlichen Information «Everything sucks» tritt es auf der Bühne des Wiener Schauspielhauses zusammen, schickt ab und zu mal einen...

Diskurs: Ochsen und Bullen

Der bunt verzierte Kopf eines Rindviehs thront auf dem Plakat mit dem Titel «Künstlerische Vielfalt und kulturelle Teilhabe als Programm? Perspektiven für Theater in der Provinz». Eine Metapher, die in der Theaterlandschaft weit mehr assoziiert als Spielorte hinter Rinderweiden im ländlichen Raum. Das Alpha des griechischen Alphabets symbolisiert die Hörner des...

Vorschau - Impressum (6/2018)

Pläne der Redaktion

Karin Henkels Inszenierungen haben keine schnell wiedererkennbare Form, aber deutliche Kontinuitäten: Rita Thieles Laudatio zur Verleihung des Theaterpreises Berlin 2018

Tucké Royale mag keine Einordnungen wie männlich, weiblich oder transsexuell. Er selbst hat sich einmal als «Pseudo-Hermaphrodit» bezeichnet. Vor allem aber macht er/sie/es...