Frankfurt: Schicksal oder Altersvorsorge?
Wie die Zeit doch selbst den Klang der Namen verändert! Als das Stück «A bright room called day» 1985 in New York uraufgeführt wurde, da klang Kushner, der Name des Autors, politisch, aufgeklärt, demokratisch. Man dachte an New York, jüdisch-intellektuelles Milieu, Widerstand gegen die Regierungsmacht. Wenn nun, dreißig Jahre später, das Stück unter dem anspielungsarmen Titel «Willkommen in Deutschland» auf der Bühne der Frankfurter Kammerspiele seine deutschsprachige Erstaufführung erlebt, dann denkt man bei dem Namen Kushner immer noch an New York.
Aber jetzt an gewaltige Immobiliengeschäfte, an machtbewusste Heiratspolitik und an jene digitalen Kommunikationsstrategien, mit denen Kushner II, Jared, für seinen Schwiegervater wohl die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat.
Damals, als Kushner I, Tony, sein Theaterstück geschrieben hatte, war Ronald Reagan an die Macht gekommen. Kushner benutzte die Folie der endenden Weimarer Republik und des beginnenden Nationalsozialismus, um Mechanismen der Machtübernahme, des Widerstands, der Verdrängung, der Hilflosigkeit zu untersuchen. Und natürlich als Warnung. Wenn nun dieser Text angesichts des globalen Aufschwungs ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Peter Michalzik
Ein junges Paar mit einem drei Monate alten Kind in einer auf Kredit gekauften Wohnung. Nur unregelmäßige Einkünfte. Vor der Tür der Geldeintreiber. Draußen im Baum ein so herz- wie nervenzerreißend miauendes Kätzchen. Eine Mutter, die den vielleicht rettenden Verkauf der Datsche torpediert. Stau auf dem Weg zum letztmöglichen Zahlungstermin bei der Bank....
The Artist is present» hieß die mehrere hundert Stunden dauernde Performance, mit der Marina Abramovic 2010 halb New York ins MOMA lockte. Doch nicht nur dort, an einem Tisch und auf zwei Stühlen, wo sich die Künstlerin und wechselnde Besucher*innen vor Publikum und Kameras gegenübersaßen und in die Augen blickten, war Abramovic anwesend: Auch in Werbespots...
Die Sowjetunion ist für Darja und mich in erster Linie die Familie.» Ungefähr nach vier Stunden spricht Niza Jaschi (Lisa Hagmeister) diesen Satz über sich und ihre Schwester (Franziska Hartmann). Ein zentraler Satz in Jette Steckels Uraufführungsinszenierung von Nino Haratischwilis «Das achte Leben (für Brilka)» am Hamburger Thalia – weil die Passage das narrative...
