Fragmentierte Intimität
Antú Romero Nunes’ «Ode an die Freiheit» ist: ein Film. Eigentlich hatte das Hamburger Thalia Theater ein Mashup dreier politischer Schiller-Stücke geplant, ein Plan, den allerdings die Corona-bedingten Theaterschließungen verhindert haben. Weswegen der Regisseur die Proben kurz vor der Premiere Ende März abbricht und auf eine mehrteilige Verfilmung des Stoffs umschwenkt, die statt auf der Bühne auf der Thalia-Website zu sehen ist («Maria Stuart» und «Wilhelm Tell» sind schon fertig, «Kabale und Liebe» soll noch entstehen).
Und zum Premierenabend stellt sich tatsächlich feierliche Stimmung ein: Ein Publikum versammelt sich und sieht zum ersten Mal, wie sich Barbara Nüsse und Karin Neuhäuser als Thronkonkurrentinnen Maria Stuart und Elisabeth in die Haare kriegen. Das ist hübsch inszeniert, zunächst als Garderobengezicke zwischen zwei Theaterdiven, dann als verhältnismäßig straight erzählter Schiller. Schelmisches Tanzen zwischen Konventionen und Reflektion derselben – das beherrscht Nunes aus dem Effeff. Und am Ende gibt es sogar Applaus, von Josef Ostendorf, der alleine im Zuschauerraum sitzt, Sekt schlürft, raucht und Mails checkt.
«Maria Stuart» funktioniert also, auch weil ...
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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Theater im Stream, Seite 24
von Falk Schreiber
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Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress.
Tagsüber behandle ich...
