Fatale Muster

Felicia Zellers «Antrag auf größtmögliche Entfernung von Gewalt», uraufgeführt im Theater Oberhausen (der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei)

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Anna ist auf der Flucht, in doppelter Hinsicht: im «Herkunftsland» politisch verfolgt, am aktuellen «Aufenthaltsort» vom Ehemann gestalkt. «Wenn der mich findet», sagt Anna, «der macht mich tot.» Ronja wiederum, gerade achtzehn geworden, soll gegen ihren Willen heiraten – einen Cousin. Der innerfamiliäre Druck wird mit Erniedrigungsschrumpfsätzen à la «Wer will dich überhaupt noch, in deinem Alter war ich längst» verstärkt.

Melanie schließlich – Akademikerin und einst «Geschäftsfrau des Jahres» – sucht mit Verbrennungen zweiten Grades medizinische Hilfe in einer Praxis, die für den Küchen-Unfall, den sie als Ursache angibt, verräterisch weit vom Wohnort entfernt liegt. Den mit der Haut verschmolzenen Blusenstoff, den die Ärztin von der Brandwunde abzieht, verortet sie im vierstelligen Preissegment.

Sechs Frauen, die regelmäßig häusliche Gewalt erfahren und Zuflucht in einem Frauenhaus gefunden haben, stehen im Zentrum von Felicia Zellers neuem Stück «Antrag auf größtmögliche Entfernung von Gewalt». Der Text ist auf der Grundlage von Interviews entstanden und tritt – abgesehen von vielen anderen Qualitäten – zunächst einmal einem grassie -renden Stereotyp entgegen. «Viele denken, ...

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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Christine Wahl

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