Eine unglückliche Utopie
Woran krankt die Welt, an was mangelt es ihr? Wie ist sie zu stillen, die Sehnsucht nach einem besseren, wirklichen Leben? Und ist es möglich, einfach von vorne zu beginnen, mit neuen Normen, einer neuen Sprache?
Es sind die großen Fragen, die Fiston Mwanza Mujila in seinem jüngsten Stück «Der Garten der Lüste» verhandelt, einem Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin (Koproduktion mit den Frankfurter Positionen – eine Initiative der BHF-Bank-Stiftung).
Inspiriert von Hieronymus Boschs gleichnamigen Triptychon, liegen auch hier das Paradies, der Garten der Lüste und die Hölle dicht nebeneinander.
Über allem steht der Wunsch nach einem Neuanfang. Ein Professor im Ruhestand ist sich sicher, die meiste Zeit seines Lebens nichts Sinnvolles getan zu haben. In ihm reift die Vision von einem Garten, einem Ort, an dem alles gut sein wird, an dem es das Böse nicht mehr gibt. Eine neue Welt, ein Glücksversprechen ohne Grenzen. «Es gibt leider Menschen, die noch nie in ihrem Leben eine Vision domestiziert haben. Ich selbst besitze immer Visionen. Tausende von Visionen. Die Taschen und den Kopf voll von Visionen. Ich habe Visionen als Hochzeitsgeschenk anzubieten; Visionen zum Teilen; ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Franziska Trinkaus
Im Dezember 2020 unternehmen vier österreichische Autorinnen einen Roadtrip durch die pandemiegelähmte Schweiz. Im Gepäck haben sie einen sorgsam ausgearbeiteten Reiseplan, Gnocchi und Tomatensauce, wahrscheinlich ein paar Flaschen Alkohol – und eine Gummipuppe, männlich. Es soll ein Selbsterfahrungstrip werden, eine Reise in die Vergangenheit und die kollektiven...
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Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...
