Ein Shakespeare aus Laa an der Thaya
Als der Volksschüler Peter Handke zum ersten Mal das Klagenfurter Stadttheater besuchte, hinterließ die Aufführung bleibenden Eindruck; allerdings blieben ihm weder Handlung noch Darsteller des Kinderstücks in Erinnerung, sondern nur das Bühnenbild: ein Haus mit Tür und Fenstern, aus dem aber, anders als er erwartet hatte, niemand auftrat.
Ähnliche Gebäude werden Handke in den folgenden Jahrzehnten seines Lebens immer wieder unterkommen, aber nie mehr in einem Theater – «weder einem Stadtnoch einem Landes-, geschweige denn einem Burgtheater» –, sondern draußen in der Wirklichkeit, in Form von Schuppen oder Baracken. «Solche Behausungen hatten es in sich, haben es in sich. Da ist es. Da spielt es sich ab, jetzt und jetzt. Schluß mit dem Theater.»
Handkes Sicht auf das Theater, die ja von Anfang an (siehe «Publikumsbeschimpfung») eine gebrochene war, ist ein wiederkehrendes Motiv in seinem jüngsten Stück «Zwiegespräch», das kurz nach dem 80. Geburtstag des Schriftstellers im Akademietheater (also fast in einem Burgtheater) uraufgeführt wurde. Vor allem aber erinnert sich Handke darin an seinen Großvater mütterlicherseits, einen Kärntner Slowenen, der unter anderem auch in «Immer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Wolfgang Kralicek
Kann man den Holocaust darstellen? Muss man es nicht sogar, wenn fast alle Zeitzeugen verstorben sind? Vielleicht auch, um Filmen wie «Schind -lers Liste» von Steven Spielberg nicht das Narrativ zu überlassen? Der steckte übrigens in der Postproduktion von «Jurassic Parc», als er seinen Hollywood-Blockbuster über den Holocaust drehte. Darüber plaudert das Filmteam...
Kirill Serebrennikovs Hamburger In - szenierung «Der Wij» ist nach der Erzählung des in der Ukraine geborenen Schriftstellers Nikolai Gogol benannt; gleichwohl speisen viele aktuelle Quellen des russischen Kriegs in der Ukraine die Textfassung, die der russische Regisseur gemeinsam mit dem ukrainischen Autor Bohdan Pankrukhin geschrieben hat. Ensemble und...
Ein Tanz-, Performance- oder Theaterabend ohne Publikum ist entweder eine sehr elaborierte Pointe – oder aber, und das ist wahrscheinlich öfter der Fall, eine mindestens schwierige Sache für alle Beteiligten. Kein Wunder also, dass das leere Theater und das Spiel vor leerem Haus zu den stärksten Angstbildern des Betriebs zählen. Eine hybride Produktion wie Gob...
