Mainz: Sahnehäubchen Müller
Die mehr als 200 Seiten der Hebbelschen Trilogie könnte man an drei aufeinanderfolgenden Tagen oder in einer langen Nibelungennacht spielen. Jeder Teil wäre ein Drama für sich und würde etwa drei Stunden dauern. In Mainz, wo es der Deutschen liebsten Blut- und Ehre-Mythos derzeit in der sprachmächtigen und psychologisch aufgefrischten Neudichtung Friedrich Hebbels gibt, sieht das etwas bescheidener aus. Jan-Christoph Gockel braucht nur knapp vier Stunden, um aus «Der gehörnte Siegfried», «Siegfrieds Tod» und «Kriemhilds Rache» ein Nibelungen-Patchwork zu häkeln.
In der verhältnismäßig kurzen Zeit wartet er dann aber doch mit einer Menge ganz unterschiedlicher ästhetischer Mittel auf, um dort Schwerpunkte zu setzen, wo Hebbels «Nibelungen» noch interessanter erscheinen, als sie eh sind: im Umfeld des Wormser Zickenkriegs Kriemhild versus Brunhild, beim Odenwald-Krimi, in dessen Verlauf Hagen Siegfried meuchelt, und während Kriemhilds Blutrache.
Gockel konzentriert sich auf prickelnde Erzählstränge und arbeitet mit dem Puppenbauer Michael Pietsch zusammen. Pietsch steht als Spielmann Volker auf der Bühne und lässt seine Puppen (ein niedlicher Drache und fadengelenkte Avatare der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Jürgen Berger
Direkter Blick, klare Worte, großer Ernst: Wenn die Wienerin Franziska Hackl Frauenfiguren von Strindberg, Tschechow oder Büchner spielt, geht es ihr ums Ganze: ein Porträt 2013 startete Armin Petras’ Schauspielintendanz in Stuttgart. Nach furiosem Start und einer Vertragsverlängerung bis 2021 kündigte er 2016 aus privaten Gründen zum Sommer ’18: eine Bilanz.
2...
Es beginnt mit einem Lächeln. Mit einem von dieser beiläufigen, fast privaten Sorte, wenn Schauspieler anzeigen wollen, dass sie ihre Sache locker angehen. Und es ist auch ein Bild, das Ironie verträgt: wie Sarah Franke als Hedda Gabler da auf einem schwarzen Schwan hereingeschoben wird, wie ein Lohengrin-Zitat. Dafür also ein Lohengrienen. Und auch für den...
Der Ast, der im Foyer des Theatermuseums von der Decke hängt, erinnert an die unkonventionelle Todesart, die den ungarisch-österreichischen Schriftsteller Ödön von Horváth am 1. Juni 1938 in Paris ereilte: Er wurde auf den Champs-Élysées von einem herabfallenden Ast erschlagen. Das hat den Ast so berühmt gemacht, dass er sogar in Josef Haders Kabarettprogramm...
