Die Gestrandeten der Geschichte
Es schwimmt eine Barke in Richtung Europa. Auf ihr: ein Berg Leichen und ein Überlebender mit dem sonderbaren Namen Erdonidus Amandéü (Mathieu Montanier). Ein halbnackter, hagerer Mann im langen Hosenrock, ein Verlorener zwischen den Welten. Er ist auf der Flucht. Und er hat Schiffbruch erlitten. Wie Tausende andere vor ihm –beispielsweise das französische Kolonialschiff «Méduse», das Anfang des 19. Jahrhunderts vor dem Senegal auf Grund lief. Seine Besatzung rettete sich auf ein viel zu kleines Floß, trieb auf dem Meer und verspeiste sich gegenseitig.
Der Rest ist Kunstgeschichte: 1818/19 malte Théodore Géricault das berühmte Gemälde «Floß der Medusa».
Große Wanderbewegungen
Der kongolesische Autor, Regisseur und Schauspieler Dieudonné Niangouna, ein hochbegabter Tausendsassa, der zwischen Brazzaville und Paris pendelt, und der sein Theater einst erfand, um der Waffengewalt des Bürgerkriegs im Kongo etwas entgegenzusetzen, erzählt in seinem neuen Stück «Nkenguégi» Migrationsgeschichten. Beim Festival «Afropean Mimicry and Mockery» am Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm zeigte er es – nach seiner Uraufführung in Lausanne – erstmals in Deutschland. Mit beiläufiger Virtuosität, ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Esther Boldt
Stefanie Carp: Sie haben Ihr Theaterleben dem Entwickeln und Aufführen zeitgenössischer Dramatik gewidmet und verschiedene Theater geleitet. Seit 2005 haben Sie das Public Theater zu einer der erfolgreichsten New Yorker Bühnen gemacht. Wie sehen Sie die Rolle eines Dramaturgen und eines Produzenten?
Oskar Eustis: Produzent und Dramaturg haben zwei verschiedene...
Tschechoslowakei, Sommer 1968. «Why don’t we do it in the road?», röhrt Paul McCartney in schönster Rotzrockerlaune in den Birkenwaldprospekt im Konstanzer Theater. Berechtigte Frage. Warum tun sie’s nicht einfach vor allen Leuten, dieser Landarztvagabund, die Stadtschickse, die Dorflolita oder dieses Triebkomplexpaket, nach dem das Stück benannt ist? Nun, sie tun...
Ständig wird man davor gewarnt und doch tun es alle: im Internet surfen und dabei – freiwillig oder unbewusst – jede Menge Datenspuren hinterlassen, aus denen sich intime Persönlichkeitsmuster und Konsumanfälligkeiten errechnen lassen. Die Münchner Theatermacherin Ana Zirner, die in der Vergangenheit schon unter Jugendlichen im Iran, Obdachlosen auf deutschen...
