Die Erfindung des Bösen
Dracula ist der wohl berühmteste Vampir der Mediengeschichte: ein Monster aus der Walachei oder Transsylvanien. Der Urvater aller Vampire verbreitet Angst und Schrecken, hat spitze Zähne und einen langen schwarzen Umhang. Vielleicht ist er auch ein bisschen geheimnisvoll und sexy? Vor allem aber unheimlich!
In Johanna Wehners Frankfurter Inszenierung geht es weniger um die Figur Dracula als um die Geschichten, die über ihn erzählt werden, und um die Menschen, die sie so leichtfertig glauben. Ihre Inszenierung basiert auf der Romanvorlage von Bram Stoker aus dem späten 19.
Jahrhundert. Der Ire entwarf das ultimative Feindbild der bürgerlichen viktorianischen Gesellschaft zu einer Zeit, als das British Empire noch Kolonialmacht war. Diese Tatsache wird zwar weder in Wehners Inszenierung noch in der Romanvorlage thematisiert, dennoch lohnt es sich, Dracula – der in Wehners Lesart des Romans als der ultimative Fremde, als eine Bedrohung für die bürgerliche Gesellschaft dargestellt wird – auch unter diesem Aspekt zu betrachten. Die Erfindung des Fremden, des Bösen, ist nämlich eng mit der europäischen Kolonialgeschichte verknüpft und wirkt bis heute gesellschaftspolitisch in ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Yaël Koutouan
Wenn ein israelischer Regisseur in diesem Herbst ein Stück über zwei verfeindete Bruderstaaten inszeniert, muss er sich schon anstrengen, damit das Publikum darin nicht bloß die offensichtliche Nahostkriegsparabel sieht. Yair Sherman hat sich für Freiburg angestrengt.
Der Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober erwischte den 39-Jährigen zwei Wochen vor der...
Ich wünschte, Metin, man könnte Erinnerungen einfangen. Wie Insekten, die ein Eigenleben haben, einen eingebauten Instinkt, der sie leitet.» Arda, Protagonist von «Vatermal» und lebensbedrohlich erkrankter Literaturstudent, hat im Krankenhaus plötzlich Zeit und Druck, sich zu erinnern. Auch Mutter Ümran und Schwester Aylin, die sich am Krankenbett sorgfältig...
Wo Molière draufsteht, ist Komödie drin. Erst recht, wenn sich ein Schauspieler, Regisseur und Superkomödiant wie Bruno Cathomas der Sache annimmt. In Bern beugt er sich über Molières «Amphitryon», Kleists Vorläuferdrama, und erst einmal fällt im Theater der Strom aus. Das Notstromaggregat will auch nicht so recht, der Darsteller des Merkur steckt in der Deutschen...
