Der sanfte Pyromane
Er war ein Kind, ein Kindskopf, ein Lausbub, ein Seiltänzer, ein Traumtänzer, ein Menschenverhexer, ein Spieler und Theaterlüstling, ein Glückspilz, ein Genießer der einfachsten und feinsten Speisen, der auf keinen Gourmetführer angewiesen war, aber ein absolut kompetenter Gourmetführer hätte sein können, ein wahrer Kenner der Weine, ein Kunstsammler, Museumskurator und wissender Freund der Maler und Bildhauer, einer, der einem beiläufig beizubringen vermochte, was nötig zu wissen ist, einer, der dem Perfektionswahn nicht erlag, weil er mit einem knappen «Also gut» oder in seine
r ganz eigenen Sprache mit einem «Zoing, Zoing, Zoing» die Sache weitertrieb, einer, der die Liebe in allen Freuden und Schmerzen erlebt hatte und immer wieder erleben wollte, ein melancholischer Clown und feinsinniges Schlitzohr, kurzum: ein philosophierender Lebenskünstler – nein, der vollbrachte kein Lebenswerk, er war ja das Leben selbst.
Obendrein war dieser Wunder- und Teufelskerl ein Innerschweizer; er kam aus der berühmt-berüchtigten Gemeinde Siebnen im Kanton Schwyz. Die Siebner haben es nämlich faustdick hinter den Ohren, und es kann lebensgefährlich sein, sie zu unterschätzen. Vor allem beim ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Nachruf, Seite 38
von Hermann Beil
Der beste Moment in Pauls Leben, jedenfalls wenn es nach seiner Erzählerin Sibylle Berg geht, war der, als er sich mit 15 in einen Mitschüler verliebt hat. Eine Nacht im Zelt am See – das muss genügen. Was davor und danach kam, ist das Durchschnitts-Unglück des mittleren Angestellten ohne besondere Eigenschaften: «Dieses Wissen, nichts zu können / die Ahnung,...
Hast du die Regel mit den zehn Kontakten verstanden?» «Nein. Darf man jederzeit mit zehn Leuten zusammenstehen? Worin besteht dann der Schutz?» Anscheinend gibt es eine Unklarheit im ansonsten ausgeklügelten Pandemiekonzept beim Internationalen Sommerfestival Hamburg bezüglich der Frage, mit wie viel Personen man sich treffen kann. Zehn Besucher*innen dürfen...
Es gibt nicht viel zu sehen bei «Last but not last». Einziges Requisit ist ein großes Buch, das auf einer Art Altar liegt und aus dem abwechselnd die beiden libanesischen Künstler Lina Majdalanie und Rabih Mroué auf Englisch im Erzählerstil vorlesen. Über ihnen erscheinen in Überblendungen Illustrationen von George Khoury, der diese Lecture-Performance im Stil...
