Der Pate der Puppen

Shakespeare «Das Wintermärchen» in Mülheim

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An markanten Setzungen fehlt es nicht: Das Happy End ist gestrichen, anstelle einer Jugendfreundschaft verbinden Mafia-Bande die Könige Leontes und Polixenes, die gesamte Handlung wird als Rückblick, vielleicht als Halluzination des greisen Leontes erzählt. Roberto Ciulli und sein Dramaturg Helmut Schäfer haben Shakespeares selten gespieltes «Wintermärchen» am Theater an der Ruhr in seine Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt – als Reigen für zehn Geister der Vergangenheit.

Der alte Leontes (Volker Roos) residiert hier in einem weiten, düsteren Bühnensaal, den Gralf-Edzard Habben mit einer langen Tafel aus lumpigen Biergartenbänken ausgestattet hat – ob Monarchie oder Mafia, die bes­ten Tage scheinen vorbei zu sein. Seine bosheitsbedingte Einsamkeit versüßt sich der Pate bei Ciulli durch die Gesellschaft einer lebensgroßen Puppe, einem gefügigen Abbild seiner allzu menschlichen Ehefrau Hermione. Das Original hat Leontes 16 Jahre zuvor in einem irrationalen Anfall von Eifersucht, der selbst Othello in den Schatten stellt, einsperren und sterben lassen.

Die Szenen, die vor dem inneren Auge des Espresso schlürfenden Mafioso aufsteigen – das angeschlagene Familienleben, die ...

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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik Mülheim/Ruhr, Seite 53
von Cornelia Fiedler

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