Der lange Schatten der Schuld
Im Einkaufsgroßzentrum West-Ost sitzen die Dichter die Denker beim Skat im Bürgersaal kalt da / bürgern wir aus bleiben anständig dabei» – und denken: Wirklich eine üble Geschichte, die uns verfolgt.
Im Juni 2024 ist das Wetter extrem, Schwarz-Rot-Gold baumelt wieder an Autos, an Fensterbänken, steckt in Eisbechern, man hofft auf ein neues Sommermärchen und ein donnernder Rechtsruck manifestiert sich in ganz Europa. Und Lukas Hammersteins neuer Text «Geschwister Eichmann» könnte nicht passender erscheinen als Dokument dieser unserer Zeit.
Hammerstein stellt das «neue deutsche Gefühl», zu den Guten zu gehören, auf der richtigen Seite zu stehen, gar moralisch geworden zu sein, radikal in Frage und spürt den Kontinuitäten der deutschen Vergangenheit nach. Dafür schickt er einen vielstimmigen Chor, ein kollektives «Wir» auf eine Reise durch ganz Deutschland, durch die Risse und Schichten der Zeit und in eine Auseinandersetzung mit uns selbst und unserem Innersten. Mit großer Genauigkeit, in einer spielerischen und sich permanent selbst umdeutenden Sprache und mit feinem Humor skizziert Hammerstein ein überzeitliches Gesellschaftsporträt. Gleich einer sprachlichen Archä -ologie wühlt ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 148
von Laura Mangels
Wien – heute – Zweitausenddreiundzwanzig. Arad Dabiris im Rahmen der Wiener Wortstätten entstandenes Stück kreist um einen konkreten Fall, der grundlegende Fragen aufwirft: Im Mittelpunkt steht ein junger Österreicher iranischer Abstammung, der – und das gehört zu den smarten Setzungen der Konzeption – auf der Bühne nicht selbst das Wort ergreifen kann. Denn er...
Auch wenn das Schiff hart stampft und einen unsicheren Schritt tut, steh ruhig auf Deck.» Ist dies die poetische Definition von Resilienz? Jenem seit der Jahrtausendwende so populär gewordenen Begriff, den der US-amerikanische Psychologe Jack Block in den 1950er Jahren prägte. Zur gleichen Zeit also, in der Ingeborg Bachmann ihr Gedicht «Ausfahrt» schrieb, aus dem...
Endlich erhält in den letzten Jahren die Frage, wie Menschen mit Behinderungen in den Theatern sichtbar werden und aktiv vorkommen können, zunehmend die dringend gebotene Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Diskurs. Gleichzeitig gibt es bisher noch immer wenige dramatische Texte, die sich mit dem Komplex Inklusion auseinandersetzen. Der 1987 in Bochum gebore -ne...
