Das Leerzeichen in uns
Auf der Bühne stehen drei Plastikkinderstühle, die hölzernen Zuschauerbänke ringsum sind so hoch, dass auch ausgewachsene Menschen mit den Beinen baumeln müssen. Kinderperspektive. Ralph Tharayil beschreibt in seinem Romandebüt «Nimm die Alpen weg» eine Kindheit in der Schweizer Provinz mit südindischen Eltern. Derzeit ist Tharayil Hausautor bei den Bühnen Bern. «Das Land, in dem wir leben, kennt den Krieg nur von Weitem. Das Land, in dessen Sprache Ma und Pa beten, kennt den Krieg von allen Seiten», schreibt er in seinem bemerkenswerten Roman.
Und später: «Woher kommt ihr, fragen unsere Freunde in der Schule. Sie wissen nicht, dass das Staunen keinen Ort besitzt.»
Ein Aufwachsen zwischen Anpassung in alle Richtungen und sich Abheben von den Träumen der Eltern – die mit dem Bambus strafen, wenn die Kinder nicht die besten Schulnoten nach Hause bringen, und europäisches Besteck auflegen, wenn Schulfreunde zum Mittagessen mitkommen. Tharayil beschreibt das liebevoll zugewandt, in einer sanften Sprache, die Poesie aus einem wachen kindlichen Blick zieht. Eine Sprache, die die Brüche benennt und die Zwischenräume luftig lässt. Manchmal gehen die Kinder in die Telefonkabine auf der ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Klaeui
WWW.ARDMEDIATHEK.DE
bis Januar 2025, Ein Mann seiner Klasse
Fernsehfilm, Deutschland 2024, Regie Marc Brummund Nach dem autobiografischen Roman von Christian Baron erzählt der Film über seine von Armut und Ungleichheit geprägte Jugend in Kaiserslautern.
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bis 2027., Ein Volksbürger. Politische Farce mit Fabian Hinrichs
Aufzeichnung der Inszenierung von...
«Der Reisende» zu lesen, fühlt sich an, wie langsam in einen Abgrund gezogen zu werden – vorbei an fröhlich winkenden Menschen. Ulrich Alexander Boschwitz, 23 Jahre alt und selbst im Herbst 1938 schon im Exil irgendwo zwischen Luxemburg und Belgien, hat den Roman in nur wenigen Wochen geschrieben. Er ist eine Reaktion auf die Novemberpogrome.
Die erzwungene Reise...
Ein sehr spezielles Welcome: Beim Eintritt in den Empfangsraum des Hauses am Waldsee, einem so renommierten wie abgelegenen Ausstellungshaus mit Park und Seezugang im waldigen Berlin-Zehlendorf, sitzt abgewandt von den Besucher:innen eine lebensgroße Teenager-Puppe auf einem Podest, das weißblonde Haar zurückgeworfen, den Blick auf einen zerknitterten Zettel in der...
