Brecht: Denken über Grenzen

Jürgen Kuttner und Tom Kühnel bringen das Augsburger Brechtfestival auf Touren

Theater heute - Logo

Die Beziehung hat sich aufgewärmt. Seit zehn Jahren feiert Augsburg seinen unbequemen Sohn Bertolt Brecht, meist mit künstlerischer Unterstützung aus Berlin. Nach Patrick Wengenroth, der das Brechtfestival von 2017 bis 2019 kuratierte und für neue Spielformen öffnete, haben heuer Jürgen Kuttner und Tom Kühnel die Leitung übernommen und neben anderem gleich einmal an zwei bunten Abenden für viel Spektakel gesorgt.

Das Programmheft dazu präsentiert sich im trashigen Layout eines Groschenromans, und auf dem Gelände des Martini-Parks ist neben Imbissbuden mit gebrannten Mandeln und Ochs am Spieß ein Riesenrad aufgebaut. Brecht, der an seiner Heimatstadt vor allem den Plärrer liebte, hätte das wahrscheinlich gefallen und womöglich auch nicht gestört, dass nebendran ein Häuflein versprengter FDJler – nicht eingeladen, sondern auf eigene Faust dabei – «Bertolt Brecht – für mich ein cooler Hecht» rappt und Flugblätter zum Mitsingen mit revolutionären Grüßen verteilt.

Action Kuratieren

Zum Auftakt des Festivals bringt das Regie-Duo Kühnel/Kuttner mit «Der Auftrag», ihrer gefeierten Hannoveraner Inszenierung von 2015 mit Corinna Harfouch, Heiner Müller als Brechts legitimen kritischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Silvia Stammen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (4/2020)

Das Berliner Theatertreffen wird wegen der Corona-Krise zum ersten Mal in 57 Jahren ausfallen, eine bittere Pille für alle betei­ligten Künstler, Mitarbeiter und das Publikum. In unserem nächsten Heft wird das Programm trotzdem stattfinden: Was vom Theater bleibt, steht in Theater heute!

Body Suspension ist eine performative Technik, sich Haken in die Haut bohren...

Festival: Hand vors Auge!

Wir lernen Bilder lesen. Was meinen die kämpferischen jungen Frauen aus Chile, was die Performance-Dokumentaristen, die vom Kampf des indigenen Mapuche-Volks im Grenzgebiet zu Argentinien erzählen, wenn sie im Schlussbeifall eine Hand vor ein Auge legen? Im Internet der Netzwerke ist die Geste ein bisschen bekannt, auf den Bühnen des Heidelberger Theaters wird sie...

Theater in Zeiten von Corona

Ich sitze in der letzten Maschine aus Teheran. So sieht es aus. Den Flughafen habe ich immer gehasst. Der Teheraner Flughafen IKA, weit entfernt von der Stadt in einer Wüstenlandschaft, hat nichts zu tun mit dem Teheran, das ich kenne, ist aber meine Verbindung in den Iran. Heute Nacht kriegt er von mir mehr Mitleid als Hass. Denn nun sitze ich neben vielen Iranern...