Bonn: Unter Brotkugelbeschuss
Ist Gutmensch auch gleich Wutbürger? Der Gutmensch hat den Drang, den Fremden aufzuhelfen, der Wutbürger will den Staat bekämpfen. Der Wüterich ist gutgestellt, der Güterich ist armselig. Doch sind die Übergänge fließend. Und Größenwahn gibt es bei beiden Typen.
Der Titelheld von Lukas Linders neuem Stück «Supergutmann» ist verblüfft, wenn man ihn fragt, ob er ein Wutbürger sei, gegen die Bezeichnung «emotionaler Einzelkämpfer» protestiert er ebenfalls.
Sein Nachbar aber wird auf einer Bahre festgeschnallt, geknebelt für seinen «Wutschlaf», in dem er grässlich böse grollt und knurrt. Es schläft halt eine Wut in allen Bürgern. Wie aus einem netten jungen Mann, der Brot für alle backt und auch das Internet schnell reparieren kann, ein heldenhafter Kämpfer gegen staatliche Willkür und die Ungerechtigkeit der Welt wird, kann man in Linders soziologischer Charakteranalyse studieren.
«Parzival Pech» heißt der tumbe Tor, der stets das Gute will und doch das Böse schafft, mit komplexer Ironie. Er wohnt in einer Mietskaserne, Tür an Tür mit Ehepaar Werner, Frau Zuber und Irma, der alleinerziehenden Mutter. In der Bonner «Werkstatt» (Bühne: Hanna Lenz) sieht das aus wie das Männerheim in Roy ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Gerhard Preußer
Warum sollen wir ausgerechnet jetzt über historische Verantwortung sprechen, da Russland einen Teil der Ukraine überfallen und besetzt hat, da die Brexit-Verhandlungen begonnen haben, da überall in Europa Wahlen stattfinden, bei denen die Populisten nach der Macht streben, da die Verfassungsordnung der Vereinigten Staaten von innen bedroht ist?», fragte der...
Seit Jahr und Tag stellt der Regisseur Sebastian Hartmann seinen Theaterabenden einen Ausspruch von Edgar Allan Poe voran: «All that we see or seem / Is but a dream within a dream.» Es ist ein anti-realistisches Motto und ein Signal, dass sich seine Theaterexpeditionen nicht aus handfester Alltagswirklichkeit herleiten, sondern aus dem Spiel der Subjektivität, aus...
Aufführungen
(von Frauen)
Wenn wir uns nicht verzählt haben, sind von den 215 nicht in Kollektiven erarbeiteten
Inszenierungen dieses Monats 68 von Frauen. Darauf wollen sich diese Hinweise ausnahmsweise konzentrieren, mit dem schönen Nebeneffekt, dass deutlich mehr kleinere Häuser vorkommen. Denn an den großen Bühnen der ganz großen Häuser können wir nur aufs...
