Katja Brunner; Foto: Katrin Ribbe

Bohrungen im Weltenbauch

Katja Brunner: «Den Schächtern ist kalt oder Ohlalahelvetia …»

Wie gehen wir mit der Vergangenheit um, gerade wenn Verbrechen geschahen, die vergraben wurden und unbeachtet erodieren wie der Erdboden? Wie gehen wir damit um, wenn diese Verbrechen in der Heimat geschahen und bis zum heutigen Tag kaum als solche erkannt werden? Die Rede ist von der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Vergangenheitsbewältigung haben in diesem Land viele betrieben, und doch haben sie keine großen Spuren hinterlassen. Katja Brunner, 1991 in Zürich geboren, bewältigt die Vergangenheit mit den Mitteln der Kunst. Und die sind unberechenbar.

Wer in diesem Stück das Eindeutige sucht, scheitert schon am Titel. Es gibt nicht einen, sondern drei: «Den Schächtern ist kalt oder Ohlalahelvetia oder alles muss alt werden, nur du nicht, mein lieber holocaust». In der Arbeitsfassung, die einige Monate vor Probenbeginn vorliegt, treffen wir auf drei Frauen unterschiedlicher Generationen und zwei Männer. Wer wann spricht, ist nicht genau auszumachen, ebenso wenig die Frage, wer genau sie sind. Die Autorin? Zeitzeuginnen? Das kollektive Ich? In Brunners Stück ist eine Regieanweisung auch eine Figurenrede. Die Sprache steht im Kontrast zur geordneten Schweizer Oberfläche, ...

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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 161
von Andreas Karlaganis

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