Basel: Im Überwachungsdilemma
Vier Aktivisten, schutzatmosphärisch in Kapuzenanzüge verpackt. Vier identische Tischblöcke, als Laborfläche wie als Schreibdesk nutzbar. Mehr braucht es in der Vorstellung des ungarischen Regisseurs András Dömötör offenbar nicht, um die ewig erregungssüchtige digitale Öffentlichkeit mit dem nächsten Scoop zu versorgen.
Tarifpolitisch korrekt steht dem anonymen Chor der Enthüllungsdienstleister (Wanda Winzenried, Martin Hug, Philip Neuberger, Mario Fuchs) auf der Kleinen Bühne des Basler Theaters eine gläserne Raucherpausenbox zur Verfügung.
Außerdem eine Kiste, aus der sie unter reichlich Hallo in guter alter Varietétradition immer kleinere Kisten zaubern, am Ende ein fettes Fadenknäuel finden und mit diesen neonknallfarbigen Stricken sogleich Sigi Colpes klinischen Bühnenraum sinnlos vernetzen.
Wenn das mal keine Clownssatire auf den Enthüllungsjournalismus unserer Tage ist. Die Uraufführungsregie gönnt sich so gleich zu Beginn von Joël Lászlós Stück «Die Verschwörerin» die Freiheit, dem sprachlich überzüchteten Drama eine Slapstick-Pantomime entgegenzustellen. Stumme Szenen sind ja nicht das schlechteste Gegengift, wenn die Wörter und die Bilder um einen herum notorisch zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Stephan Reuter
Wie lassen sich zwei Zipfel Theatergeschichte zu einem zeitgenössischen Unterhaltungsabend verknoten? Angestrengt sächselnd zwängt sich Nadja Robiné in den Fahrstuhl nach Peru, also in Heiner Müllers Ausbruchs-Fantasie eines zentraleuropäischen Bürokraten (alias der «Mann im Fahrstuhl»). Es ist das Intro zu diesem Doppelabend von Christian Weise im Weimarer E-Werk,...
Niemand kann so schön schmollen wie Benny Claessens. Wenn sich das Gesicht in den kategorischen Widerspruch eines Kleinkinds verknautscht, die Stimme eine Oktave in die Höhe fährt, der mächtige Körper sich in ein Gebirge aus Trotz verwandelt. Wenn Salome schmollt, dann will er/sie wirklich nicht. Aber warum, das ist hier eine gute Frage.
Ersan Mondtag (Regie und...
Das hatten sich die designierten Schwiegereltern irgendwie anders vorgestellt: Da kommt Tochter Tina nach ewiger Abstinenz endlich wieder mit einem neuen Lebenspartner zu Besuch. Und dann spricht der junge Mann – Matthias – statt gepflegtem Smalltalk sinnfrei-martialisches Satzgut über den Abendbrottisch. «Wenn du einem Vogel-Strauß den Hals durchzippst», gibt er...
