Ahnungen von Glück
Dass es Rieke Süßkow (nach ihrem Wiener Überraschungserfolg mit Peter Handkes «Zwiegespräch») nun auch in Nürnberg gelang, selbst einen Werner Schwab so umzukrempeln, dass man ihn beinahe nicht wiedererkennt, grenzt an ein Wunder. Die gallig ordinäre Wirtshausposse, in der sich ein paar durchgeknallte Stammgäste Beleidigungen und Geschlechtsorgane um die Ohren hauen, hat Süßkow radikal aus ihrer versifften Realität gehievt und in eine comicbunte, kunstvoll überhöhte Fantasiewelt versetzt.
Die Figuren mit so sprechenden Namen wie Schweindi oder Fotzi stehen aufgereiht wie beim Prater-Ringelspiel nebeneinander und sondern ihren punkigen Sprachmüll im Takt von abgehackten Marionetten-Bewegungen ab. Man sieht nur einen breiten flachen Ausschnitt dieser Unterwelt der Ausgestoßenen (Bühne Mirjam Stängl), die zackig ihre Arme heben, federnd rückwärts in den Abgrund stürzen, die sich abwatschen und ununterscheidbar hinter Sado-Maso-Masken ihre Gesichter und also alle wahren Gefühle verstecken.
Das geht im perfekten Rhythmus quer durch die schrägsten Obsessionen, da wird mit Worten und Fäusten zugeschlagen, da fliegt das Dirndl hoch und der Unterleib wird als Ware feilgeboten. Die ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Bernd Noack
2.12./SAMSTAG
19.20, 3sat: Theater zwischen Kunst und Aktivismus
Die Dokumentation beleuchtet aus Anlass der Verleihung des Theaterpreises DER FAUST die deutsche Theaterlandschaft im Spannungsfeld von Kunst und Aktivismus.
5.12./DIENSTAG
0.00, ZDF: 37°, Aufbruch hinter Gittern: Theater im Knast
Das Berliner Gefängnistheater «aufBruch» inszeniert einmal im Jahr...
Das schwindelerregende Verhältnis von Kunst und Terror hat schon vor gut zwanzig Jahren die Volksbühne auf einem sehr dünnen Seil tanzen lassen. Im Nachgang von 9/11 griff Dramaturg Carl Hegemann das Diktum des Komponisten Karlheinz Stockhausen auf, der den Al-Qaida-Angriff als «größtes Kunstwerk aller Zeiten» gepriesen hatte, dachte gemeinsam mit dem...
Dracula ist der wohl berühmteste Vampir der Mediengeschichte: ein Monster aus der Walachei oder Transsylvanien. Der Urvater aller Vampire verbreitet Angst und Schrecken, hat spitze Zähne und einen langen schwarzen Umhang. Vielleicht ist er auch ein bisschen geheimnisvoll und sexy? Vor allem aber unheimlich!
In Johanna Wehners Frankfurter Inszenierung geht es...
