Ahnungen von Glück
Dass es Rieke Süßkow (nach ihrem Wiener Überraschungserfolg mit Peter Handkes «Zwiegespräch») nun auch in Nürnberg gelang, selbst einen Werner Schwab so umzukrempeln, dass man ihn beinahe nicht wiedererkennt, grenzt an ein Wunder. Die gallig ordinäre Wirtshausposse, in der sich ein paar durchgeknallte Stammgäste Beleidigungen und Geschlechtsorgane um die Ohren hauen, hat Süßkow radikal aus ihrer versifften Realität gehievt und in eine comicbunte, kunstvoll überhöhte Fantasiewelt versetzt.
Die Figuren mit so sprechenden Namen wie Schweindi oder Fotzi stehen aufgereiht wie beim Prater-Ringelspiel nebeneinander und sondern ihren punkigen Sprachmüll im Takt von abgehackten Marionetten-Bewegungen ab. Man sieht nur einen breiten flachen Ausschnitt dieser Unterwelt der Ausgestoßenen (Bühne Mirjam Stängl), die zackig ihre Arme heben, federnd rückwärts in den Abgrund stürzen, die sich abwatschen und ununterscheidbar hinter Sado-Maso-Masken ihre Gesichter und also alle wahren Gefühle verstecken.
Das geht im perfekten Rhythmus quer durch die schrägsten Obsessionen, da wird mit Worten und Fäusten zugeschlagen, da fliegt das Dirndl hoch und der Unterleib wird als Ware feilgeboten. Die ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Bernd Noack
«Realism as we know it in the Western theater, is vulgar to the African aesthetic sensibility, hence they react to it with laughter.»
Demas Nwoko, Search for a new African Theatre, 1970
«Sometimes when we perform, they say: that is Brecht and I say: this is not Brecht, this is totally African.»
Segun Adefila
Wie über Theater in Nigeria schreiben? Ich war zwei...
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
Sepp Bierbichler, einer der ganz großen schreibenden Schauspieler (ja, bisher waren das fast nur Männer, die ihre Biografie autofiktional in Bücher, oft Bestseller verwandelten), hat das der Kollegin Valery Tscheplanowa schon vor drei Jahren zugetraut. In einem Nachwort zum Gesprächsband «Backstage Tscheplanowa» schrieb er: «Wird sie sich endlich Zeit nehmen fürs...
