Zwischen Küchenschrank und Weltgeschichte
Der Mauerfall war der mediale Dauerfall letztes Jahr. Dass sich aus der Masse der immergleichen «Wahnsinn!»-Konserven und Mauermelodramen noch einmal etwas Neues, gar Überraschendes herausholen lässt, war eigentlich nicht zu erwarten. Der 1970 in Magdeburg geborene Thilo Reffert aber hatte den wunderbaren Einfall, ein wohl legendäres Ereignis seiner Familiengeschichte noch einmal durchzuspielen. Seine Mutter war zusammen mit der Schwester am 9.
November ‘89 gleich nach der Schabowski-Pressekonferenz in ihrem «tschitscheringrünen» Wartburg von Magdeburg zur Grenzübergangsstelle Marienborn aufgebrochen, um diese dann tatsächlich bis ins nächste stockfinstere Dorf zu durchfahren und – praktisch ohne etwas vom Westen gesehen zu haben oder von dort mitzubringen – sofort wieder nach Hause zurückzukehren. Mauerfalleuphorie einmal anders.
Nun mietet Alex (der herrlich aufgedrehte Matthias Matschke alias Reffert) einen knatternden Wartburg, um mit der echten Mutter und Schwester die Fahrt fast zwanzig Jahre später zu wiederholen und die Erinnerungen im vierten Gang und schwerem Magdeburger Dialekt hervorzuholen. Das mehrschichtig Verspielte setzt schon mit einigen Bemerkungen über das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bernd Noack Eines der berühmtesten Argumente, warum die Stücke Shakespeares nicht von Shakespeare sind, beruht darauf, dass so viele der Dramen in Italien spielen. Und wie kann ein Autor, der noch nie in Italien war, so viel über das Land und die italienische Atmosphäre wissen? Andererseits: Karl May war auch nie in Amerika ...
Frank Günther Genau, ein großes...
Das Verlässliche an der Habsucht ist, dass sie sich nicht therapieren lässt. Schon gar nicht von ein paar Bankenpleiten. Im Gegenteil. So ein globaler Finanzkrach wirkt erfrischender als Heilfasten: Das Portfolio wird entschlackt von allem, was da so vor sich hin fault. Hinterher fühlt sich die Habsucht wie neu geboren, der Kurssturz von gestern ist der...
Wir haben in diesen Tagen am Thalia Theater einen Test auf all diese Mutmaßungen, die das Theater irgendwo zwischen Kunst, Quote und Elite verankern, durchgeführt und im Rahmen unseres Festivals «Um alles in der Welt – Lessingtage 2010» gefragt: «Was ist Kultur uns wert?» Die Idee: Jeder zahlt, so viel er will, zwischen null Euro und ad libitum. Der Arme, der...
