Zweifelsfrei selbstherrlich
Man weiß vom Besuch des Teufels beim Dichter Rattengift in Grabbes Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1822), dass jener aus Mangel an Inspiration an seiner Feder kaut. Solche Zusammentreffen bleiben bekanntlich nicht ohne Folgen.
Nicht dass auch Lars Norén an einer Feder saugen müsste! An die 1700 unpaginierte Bögen des gerade erschienenen «Tagebuch eines Dramatikers» mit einem Gesamtgewicht von fast anderthalb Kilo zeugen im Gegenteil von der sehr produktiven Personenchemie zwischen einem unermüdlichen Egomanen und einem sich in die Nachtschwärze des Einbandes hüllenden Exorzisten.
Mit Beleidigungen, Verleumdungen, bösartigem Klatsch und Tratsch in fast täglichen Einträgen während der Jahre 2000–2005 wird viel Rattengift ausgestreut, wovor nicht einmal der Schreibende selber sicher ist: «Ich werde ... mich befreien, befreien davon, anderen Menschen wehe zutun. Mich befreien von der Scheiße» gelobt er sich, ziemlich erfolglos. Immer-hin ein Ausgleich für die über weite Strecken ermüdenden Alltagsbanalitäten von der Art «Wir waren drinnen bei Dussmann. Ich ging auf die Toilette dort, während Charlie nach Schallplatten suchte». Dann wieder diverse Krisen, ...
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