Zwang zur Herrschaft
Dem V-Effekt war Lars von Trier schon immer zugeneigt. Der Dialektik und dem hintergründigen Moralisieren auch. Nach der vierten Folge seiner alptraumhaft-bizarren Krankenhaus-Fernsehserie «The Kingdom» (1994) erschien er im Smoking und mit Fliege auf dem Bildschirm und erklärte zuvorkommend: «Vielleicht sind Sie verunsichert durch das, was wir Ihnen gezeigt haben, aber Sie brauchen keine Angst zu haben. Wenn Sie Augen und Ohren immer offen halten, können wir Sie schon mit Theatertricks und ein paar Tropfen künstlichem Blut erschrecken.
Wenn Sie aber Ihr Gesicht von der Wirklichkeit abwenden, haben wir Sie gefangen. Hinter den geschlossenen Augen, da steckt das wahre Grauen.»
Die Höllen, die man selber schafft oder zulässt. Der Einbezug der Zuschauer. Die Frage, wer hinschaut und wer sich abwendet. Die Einfachheit der Mittel. Und der allwissende Kontrollblick auf das Gezeigte, das nie seine Fiktionalität verbirgt. Dazu nimmermüdes Arbeiten an der Ästhetik, Lust am Verlautbaren (Dogma 95) und ein ausgeprägt soziales Bewusstsein. Dass der 49-jährige dänische Filmemacher irgendwann zu Brecht gegriffen hat, leuchtet ein. Aus der Rachefantasie der Spelunken-Jenny in der ...
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In «Lob der Blindheit», dem zentralen Text seines Buches «Rundfunk als Hörkunst», polemisierte der Film- und Radiotheoretiker Rudolf Arnheim schon 1936 gegen jenen «unausstehlichen Typ von Kunstgenießer», der ein Kunstwerk danach beurteilt, wie stark es seine «Fantasie» anrege. Man habe sich streng daran zu halten, was vom Künstler geboten werde, und keinesfalls...
Der Herold des Tragischen hat’s heute so schwer wie der Prophet schon immer. Keiner will ihm zuhören. Das geht so nicht mehr, murmeln die Leute, führen Sprachzweifel und Formerwägungen ins Feld oder verschanzen sich gleich ganz hinter Gelächter. Das alles muss er hinnehmen. Sage aber keiner, dass Botho Strauß seine Pappenheimer deswegen nicht kennt, verwünsche er...
Mit Vater ist nicht mehr viel los. Er hängt nur noch apathisch rum und redet häufiger mal wirr. Wenn er mit seinen alten Herren zusammen ist, schlagen sie kräftig über die Stränge. Und furchtbar launisch ist er geworden. «Vater, du bist alt. Vater, du wirst peinlich.» So muss es kurz vor der Abschiebung ins Pflegeheim zugehen, oder eben vor der Abschiebung König...
