Zwang zur Herrschaft
Dem V-Effekt war Lars von Trier schon immer zugeneigt. Der Dialektik und dem hintergründigen Moralisieren auch. Nach der vierten Folge seiner alptraumhaft-bizarren Krankenhaus-Fernsehserie «The Kingdom» (1994) erschien er im Smoking und mit Fliege auf dem Bildschirm und erklärte zuvorkommend: «Vielleicht sind Sie verunsichert durch das, was wir Ihnen gezeigt haben, aber Sie brauchen keine Angst zu haben. Wenn Sie Augen und Ohren immer offen halten, können wir Sie schon mit Theatertricks und ein paar Tropfen künstlichem Blut erschrecken.
Wenn Sie aber Ihr Gesicht von der Wirklichkeit abwenden, haben wir Sie gefangen. Hinter den geschlossenen Augen, da steckt das wahre Grauen.»
Die Höllen, die man selber schafft oder zulässt. Der Einbezug der Zuschauer. Die Frage, wer hinschaut und wer sich abwendet. Die Einfachheit der Mittel. Und der allwissende Kontrollblick auf das Gezeigte, das nie seine Fiktionalität verbirgt. Dazu nimmermüdes Arbeiten an der Ästhetik, Lust am Verlautbaren (Dogma 95) und ein ausgeprägt soziales Bewusstsein. Dass der 49-jährige dänische Filmemacher irgendwann zu Brecht gegriffen hat, leuchtet ein. Aus der Rachefantasie der Spelunken-Jenny in der ...
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Messer in Hennen» von David Harrower ist so ein Beispiel dafür, wie rasch und sanft sich bis vor kurzem noch als radikal, abgründig und umwälzend gehandelte Stücke in den Stadttheater-Spielplan einfügen. Griffig und assoziativ genug der Titel (bei «Shoppen und Ficken» aus der gleichen Entstehungszeit beispielsweise würde der Kulturausschuss schon hellhöriger...
Barbara Burckhardt Der Held ihres Theaterstücks «Orpheus, Illegal», Stanislaw Perfetzki, ein reisender Dichter und politischer Aktivist, scheint nicht nur Ihr Alter Ego zu sein, er ist auch identisch mit dem Protagonisten Ihres dritten Romans von 1996, «Perversion», der ebenfalls nach Venedig reist, einen Kongress besucht und sich in eine schöne Ada verliebt....
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