Zürich: Hören und sehen

Ruedi Häusermann «Henosode – Salon des Gelingens» (U)

Naturgesetze sind nicht unüberprüft hinnehmbar, da hat Ruedi Häusermann Recht. Wo stünden wir schon, hätte die Menschheit dem Schein des Faktischen immer blind vertraut? Die Finsternis zum Beispiel, wie sie in der Zürcher Schiffbau-Box herrscht, sobald die Technik das Licht ausdreht, besitzt die Eigenschaft, dass man nichts sieht und dennoch gut hört. Das Phänomen hat angesichts der sinnlichen Überwältigungskraft totaler Dunkelheit sein Aha-Effektpotenzial – umso mehr, als man im Finsteren sogar hört, dass man nichts hört.

Klaus Brömmelmeier und Herwig Ursin weisen das nach, im akustischen Feldversuch ziemlich zu Beginn von Häusermanns Musiktheaterabend «Henosode – Salon des Gelingens». 

Praktische Grundlagenforschung zur Schnittmenge von Musik und Szene, von Hören und Sehen ist ohnehin Ruedi Häusermanns Ding. Die zehnte Arbeit des 70-jährigen Schweizer Theatermachers und Komponisten für das Schauspielhaus Zürich ist, wie eigentlich jede seiner fein versponnenen Klang-Bild-Welten, eine Zuhör- und Überallhinsehschule. Jede Szene ein Experiment, jedes Experiment ein kleiner Triumph über das Scheinlogische. 

So werfen die Akteure Klaus Brömmelmeier, Herwig Ursin und Matthias ...

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Theater heute März 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Stephan Reuter