Wutbürger und Hippies
Nicht jede Inszenierung braucht eine Bühne. Mitunter reicht ein Interview, wie der damalige Burg-Direktor Claus Peymann 1988 mit seinem launig-provokanten Gespräch mit dem Hamburger Wochenblatt «Die Zeit» bewies («Wenn Sie wüssten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müsste dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen»). Auch Martin Kušej teilt zu Beginn seiner Intendanz am Burgtheater in der «Zeit» kräftig aus.
Zuvor hatte er bereits klargestellt, dass er dieses Nationaltheater nicht nur zu einem «Hort der Opposition», sondern auch als europäische Bühne, in der selbstverständlich Mehrsprachigkeit herrscht, neu positionieren möchte. In Sachen Politik legt er in besagtem Interview nach: Er beobachte in Österreich eine «Situation wie früher, kurz vor der Machtergreifung». Und habe die «Befürchtung, dass man hier richtig eins auf die Rübe kriegt», habe aber «keine Lust, zum Märtyrer zu werden».
Abgesang auf die Vernunft
Ulrich Rasches Version des Euripides-Dramas «Die Bakchen», mit der Kušej seine Intendanz eröffnet, wirkte prompt wie die Bebilderung dieser politischen Gewaltfantasie. Ein düsterer, apokalyptischer Maschinentheaterchorabend, wie man ihn von Rasche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2019
Rubrik: Starts, Seite 16
von Karin Cerny
Ich hatte mich in den 90er Jahren daran gewöhnt, dass es meinen Chef aus Osnabrück erstaunte, mich Englisch sprechen zu hören, obwohl ich aus dem Osten komme. «Waren die Leute in der DDR eigentlich blöder, oder warum haben da so wenige Abitur gemacht?» Wie sollte ich das erklären ...? Die grobe DDR-Vergangenheitsbetrachtung war mir lange Zeit egal, denn ich habe in...
Dumm gelaufen für Martin. Der junge Mann ist Marxist und meint, er sei ein intelligenter Stratege. Er beauftragt seine Freundin Anna, mit einem der Faschisten anzubandeln, die durch die Stadt ziehen. Sie soll auskundschaften, was die Stoßtrupps des «Dritten Reiches» im Schilde führen. Anna macht das nicht ungern, kehrt vom inszenierten Techtelmechtel aber mit einem...
Es herrscht derzeit Einigkeit: Die Welt, sie muss gerettet werden! Doch wie kann das gehen, jenseits von einschlägigen Superhelden- und Hollywood-Fantasien? Auf der Suche nach Lösungen sind immer mehr auch Künstler*innen gefragt. «Unfuck My Future» forderte jetzt munter ein Festival, das die Saison am Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm eröffnete und im Untertitel...
