Wuppertal
Das Theater braucht eine Struktur. Die sieht heute so aus: Entweder man arbeitet in der freien Szene, hangelt sich von Projekt zu Projekt, von Antrag zu Antrag, von Residenz zu Residenz, von Gastspiel zu Gastspiel, immer unsicher, immer unterbezahlt, immer anpassungsbereit. Oder man fügt sich in das System eines Stadttheaters. Auch dort gibt es Freiheiten, Möglichkeiten, Ressourcen, Zuschauer, aber eben auch Zwänge wie den Auftrag der Stadt, der Region, Faktoren wie die Auslastung, die Abonnentenzahl, extrem lange Vorläufe – alles in allem wenig Flexibilität.
Entweder. Oder. Manchmal habe ich mich in die Bildende Kunst gewünscht, gewünscht, dass ich keine Struktur brauche, sondern einfach mein Ding mache, damit am Ende ein Kunstwerk für sich steht, das ich nicht jedes Mal «wiederbeleben» muss, damit es seine Wirkung entfaltet. Aber allein arbeiten möchte ich nicht. Gerade der Akt des «Belebens», das direkt Lebende, der Körper, das ist mein Motor. Klar wäre es verlockend, einfach mein Werk zu verkaufen und zu überlegen, was ich als Nächstes mache. Aber diese Überlegung folgt brutal dem Markt, treibt die Kunst zum Markt, zum Kapital, zum Besitz der Reichen. Kunst als Objekt der ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 98
von Ben J. Riepe
«Уважающим себя хореографам следовало бы учитывать, что каждое па – это шаг в будущее. Chorégraphes qui se respectent devraient prendre en considération que chaque pas est un pas dans l’avenir.» Das ist ein Satz, den Serge Diaghilew, laut Boris Kochno, am 17. August 1929, also zwei Tage vor seinem Tod, in Venedig Kochno anvertraut haben soll & den ich, Giselle...
Als Ted Brandsen, Direktor von Het Nationale Ballet, seine Kollegen und Kolleginnen im Februar zum Branchentreff nach Amsterdam lud, ließ er es nicht bei grauer Theorie bewenden. Im Rahmen der Konferenz «Positioning Ballet» präsentierte Brandsens Truppe «Made in Amsterdam» – sechs Beiträge aus der Abteilung «High-End-Kunst» an zwei Abenden. Gleich das allererste...
Aller guten Dinge sind drei: Nach 2008 und 2011 wird Sidi Larbi Cherkaoui abermals «Choreograf des Jahres». Dass er es irgendwann noch ein viertes Mal schafft, darf man mit Fug und Recht annehmen. Kein Choreograf ist derzeit weltweit so präsent wie der Belgier aus flämisch-marokkanischem Elternhaus. In seiner Geburtsstadt Antwerpen steht er heute sowohl der selbst...
