Foto: Bowie Verschuuren
Juanjo Arqués
Als Ted Brandsen, Direktor von Het Nationale Ballet, seine Kollegen und Kolleginnen im Februar zum Branchentreff nach Amsterdam lud, ließ er es nicht bei grauer Theorie bewenden. Im Rahmen der Konferenz «Positioning Ballet» präsentierte Brandsens Truppe «Made in Amsterdam» – sechs Beiträge aus der Abteilung «High-End-Kunst» an zwei Abenden. Gleich das allererste Stück entpuppte sich als Volltreffer.
Juanjo Arqués, bis 2012 Tänzer und neuerdings «Young Creative Associate» der Kompanie, demonstrierte in knapp 20 Minuten, was es mit «Homo ludens» auf sich hat – dem Menschen, der spielerisch die Welt erobert und ebenso spielerisch Kultur erfindet, bis sich seine Innovationen im Lauf der Zeit zu Routine verfestigen. Ist schon der Gegenstand einigermaßen ambitioniert, hatte sich der Spanier ein Flötenkonzert von Marc-André Dalbavie, Vertreter der Spektralmusik, als musikalische Matrix ausgesucht. Was der Choreograf mit fünf Paaren und einem ingeniösen Spielmacher daraus machte, sprühte indes vor Einfällen und Esprit. Ein leichtfüßiges, zwischen klassischer Allüre und modernen Extremregistern hin und her schaukelndes Experiment, von Bert Dalhuysen in einen geradezu psychodelischen Farblichtrausch getaucht.
Mit Peter Leung und Juanjo Arqués hat der gewiefte Brandsen seiner Kompanie zwei interessante Nachwuchs-Satelliten beschert. Arqués ist überdies jenseits von Het Nationale und dessen Junior-Ensemble bereits gut im Geschäft. Er hat Kreationen für Ballet Moskva und Codarts Rotterdam geliefert, sein nächstes Projekt führt ihn nach Deutschland, wo er mit dem NRW Juniorballett ein neues Stück erarbeitet. Parallel baut sich der Mittdreißiger eine Zweitkarriere auf: Arqués studiert an der Amsterdam Film School, Ende 2018 soll sein Gesellenstück fertig sein. «Homo ludens» – das Etikett nimmt der Tanzmacher offenbar auch für sich persönlich in Anspruch.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 166
von Dorion Weickmann
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