Wuppertal
Das Theater braucht eine Struktur. Die sieht heute so aus: Entweder man arbeitet in der freien Szene, hangelt sich von Projekt zu Projekt, von Antrag zu Antrag, von Residenz zu Residenz, von Gastspiel zu Gastspiel, immer unsicher, immer unterbezahlt, immer anpassungsbereit. Oder man fügt sich in das System eines Stadttheaters. Auch dort gibt es Freiheiten, Möglichkeiten, Ressourcen, Zuschauer, aber eben auch Zwänge wie den Auftrag der Stadt, der Region, Faktoren wie die Auslastung, die Abonnentenzahl, extrem lange Vorläufe – alles in allem wenig Flexibilität.
Entweder. Oder. Manchmal habe ich mich in die Bildende Kunst gewünscht, gewünscht, dass ich keine Struktur brauche, sondern einfach mein Ding mache, damit am Ende ein Kunstwerk für sich steht, das ich nicht jedes Mal «wiederbeleben» muss, damit es seine Wirkung entfaltet. Aber allein arbeiten möchte ich nicht. Gerade der Akt des «Belebens», das direkt Lebende, der Körper, das ist mein Motor. Klar wäre es verlockend, einfach mein Werk zu verkaufen und zu überlegen, was ich als Nächstes mache. Aber diese Überlegung folgt brutal dem Markt, treibt die Kunst zum Markt, zum Kapital, zum Besitz der Reichen. Kunst als Objekt der ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 98
von Ben J. Riepe
«Wie sieht der Tanz der Zukunft aus und wo findet er statt?» Meine Antwort: Man müsste mehrere Jahre um die Welt reisen und intensive Beob-achtungen anstellen. Danach könnte man vielleicht eine kompetente Auskunft geben – wenn auch notwendigerweise durch die eigenen Präferenzen gefärbt. So allgemein, wie die Frage gestellt ist, kann ich sie keinesfalls guten...
Der junge Bailaor aus der Hafenstadt Cádiz straft alle jene Flamenco-Legenden Lügen, die besagen, dass man den Flamenco im Blut haben muss, oder noch besser in den Genen. In seiner Familie gibt es weit und breit kein einschlägiges Erbe. In seiner Familie interessiert man sich für Sport. Sein Bruder spielt in einem bekannten Fußballclub, und er selbst kam nur durch...
Marco Goecke ist klug. Er umgeht sämtliche Fallstricke, über die die meisten seiner Choreografen-Kollegen stolpern. Denn anders als viele glauben, ist es eben nicht leicht, eine Tänzer-Biografie mittels Tanz zu erzählen. Der Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts ging mit «Nijinski» fremd. Er choreografierte für Gauthier Dance, die Stuttgarter Kompanie des Tänzers...
