Wörter ohne See
Jesus sieht aus wie Hermes Phettberg, nur die Jeans sind nicht so versifft wie beim Original. Jesus ist Protagonist des neuen Franzobel-Stücks «Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie», einem Auftragswerk des Burgtheaters. Es handelt sich, wie der barocke Titel schon sagt, um eine Mischung aus Passionsspiel und Familiendrama: Der Erlöser ist ein fetter Couch Potatoe, der lieber vor dem PC masturbiert als seinen ehelichen Pflichten nachzukommen; seine Familie (Vater, Mutter, Schwager) ist eine Ansammlung kleinbürgerlicher Monster.
Ungefähr so hätte es vielleicht ausgesehen, wenn Werner Schwab «Das Leben des Brian» geschrieben hätte.
Nachdem ihm in Gestalt einer «geilen Alten» die göttliche Erleuchtung widerfahren ist, erschlankt Jesus auf wundersame Weise, er singt eine philosophisch aufgefrischte Version des Hohelieds der Liebe («Wenn ich Zizek und Baudrillard und Derrida gelesen hätte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts») und predigt die politisch korrekte No-Logo-Lehre: Keine Chiquita-Bananen! Keine Nike-Turnschuhe! Kein Shell-Benzin! Aber die Menschen missverstehen seine Lehre («Er hat gesagt, wenn wir keine Bananen essen, kommen wir in den ...
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