Das Käthchen und sein Double
Eigentlich ist sie eine Penthesilea, Jana Schulz, diese merkwürdigste Schauspielerin im wenig merkwürdigen Schirmer-Ensemble, so bockig, unkokett und unbeirrbar. Doch jetzt spielt sie das Käthchen, das Kleist einmal die in der Hingabe ebenso starke Kehrseite der Amazonenkönigin genannt hat, und das ist Roger Vontobels Glück, lässt ihre sperrige Präsenz doch momentelang vergessen, wie verwirrt Vontobels Inszenierung des Kleistschen Ritterspektakels auf Hamburgs größter Bühne geraten ist.
Vontobel und seine Ausstatterin Heide Kastler hüllen Jana Schulz von Anbeginn in Schmutz und Fetzen; das honette Bürgerkind, des Waffenschmieds Theobald Tochter, aus dem erst ein Traum die Stalkerin des Grafen Wetter von Strahl macht, ist nicht einmal zu ahnen. Beim Femegericht, das hier im Publikum verteilte Choristen verkörpern, kauert sie am Boden, ein Bein geschient, zerfetzt die Unterwäsche, eine von Leidenschaft Versehrte und ganz bestimmt keine Partie für den deutlich älteren Grafen (Guntram Brattia) im weißen Gigolo-Anzug mit Rose im Knopfloch und viriler Halbglatze, ein unsicherer Performer unter Mamas (Irene Kugler) Knute. Dass der alt geworden Junge sich lieber mit der adretten ...
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