Wien: Doppelte Entfremdung

Roland Schimmelpfennig «Das Reich der Tiere»

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Die Konkurrenz ist groß. Am Arbeitsmarkt genauso wie draußen in der freien Wildbahn. Dort kämpfen Zebra und Löwe um die Vorherrschaft über die anderen Tiere und gehen dabei strategische Allianzen und erfolgsorientierte Partnerschaften ein. «Up or out» lautet ein Prinzip neoliberaler Arbeitswelten, in der Tierwelt des Roland Schimmelpfennig heißt es dagegen: «Entweder er oder ich.»

«Das Reich der Tiere» hat Schimmelpfennig die 2007 am Deutschen Theater in Berlin von Jürgen Gosch uraufgeführte Parabel über die schönen neuen Arbeitswelten und ihre hässliche Fratze genannt.

Acht Jahre und eine tiefgreifende Wirtschaftskrise später hat der Autor jetzt am Wiener Akademietheater das Stück selbst in Szene gesetzt, und man möchte meinen, dass der Diagnose von damals noch einiges hinzuzu­fügen wäre. Die unsicheren Zukunftsaussichten und prekären Arbeitsverhältnisse, die Schimmelpfennigs Schauspieltruppe am eigenen geschundenen Leib zu spüren bekommt, sind schon längst auf einen Gutteil der Gesellschaft übergeschwappt. Doch statt den Finger auf Wunden zu legen, entgleitet Schimmelpfennig das Stück in die Banalität. 

 

«Kein Mensch erinnert sich noch daran, dass es dich überhaupt gibt», ...

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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Stefan Hilpold

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