Debatte: Mehr Edelmut!
Hippiekitsch!» – «Petit Bourgeois!»: Das war so die Munition, die sich die Kontrahenten auf dem Höhepunkt der von Patrick Wildermann moderierten Diskussion an die heiß geredeten Köpfe knallten. Als Letzterer wurde der Kunsthistoriker und Co-Kurator der HAU-Veranstaltungsreihe «Phantasma und Politik» Helmut Draxler belächelt, der in seinem Eröffnungsvortrag differenziert die Debatte umrissen hatte: «Das Recht der Kunst» ist im Deutschen doppeldeutig, bezieht sich gleichermaßen auf Möglichkeiten (im Sinne von Ermächtigung) wie Limitierungen (im Sinne von Gesetz).
Politische Aktionskunst, überhaupt über den Kunstrahmen hinaus in die Realität eingreifende Kunstformen, haben in letzter Zeit wieder besondere Konjunktur. In der laufenden Spielzeit erregte vor allem der den Ausschluss von Flüchtlingen anprangernde «Europäische Mauerfall» des Zentrums für politische Schönheit» pralle Medien-Aufmerksamkeit; Protagonist Philipp Ruch saß mit auf dem Podium. Oder auch Dries Verhoevens vorzeitig abgesetzte, privatsphärenüberschreitende Datingportal-Performance «Wanna play», nachdem sie die Berliner queere Szene in Aufregung versetzt hatte. Anfang des Jahres hatte zudem der niederländische ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Eva Behrendt
Lars Eidinger und Shakespeare, das ist mittlerweile: eine Popstargeschichte. 233-mal, vermerkt ehrfürchtig der nicht eben Theater-affine «Spiegel», dem «Richard III.», nein: Eidinger!, sogar eine Vorberichterstattung wert war, 233-mal hat er Hamlet gespielt, weltweit. Immerhin sei er ja, sagt der «Spiegel», sage Lars Eidinger, nicht weniger als «der beste...
Theater machen in der Provinz. Klingt reichlich zweitklassig und meilenweit weg vom Berliner Theatertreffen. Aber was ist eigentlich Provinz? Universitätsstandorte wie Tübingen oder Heidelberg? Wirtschafts- und Verwaltungszentren wie Mannheim oder Karlsruhe? Wer heute im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch Provinz...
Einen zugeneigteren Richter als Andreas Müller hätte sich das Münchner Residenztheater gar nicht wünschen können. Juristisch hatte man in der Sache «Baal» nicht den Hauch einer Chance. Frank Castorfs Inszenierung verwendet in ihrer Fassung umfangreiche Fremdzitate – darunter Texte von Rimbaud, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Frantz Fanon sowie längere Passagen aus...
