Wie der Mond das Meer bewegt

Jan Neumann: «Liebesruh»

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Endlich ein neues Stück, das es wagt, den Mikrokosmos der (Klein-)Familie und der weitgehend belanglosen Beziehungsproblematiken zu überwinden. Ein in vieler Hinsicht politisches Stück. Ein Volksstück, obwohl der Autor es gar nicht als solches benennt. Ein Theaterstück, das eine bisher literarisch kaum beachtete, aber stetig wachsende Volksschicht in den Blickpunkt des Interesses schiebt: Das Volk der Altgewordenen, das Meer der Vor-der-Pensionierung-Stehenden, die Schicht der Nicht-mehr-Benötigten.

 

Das zentrale Thema des jungen, in München aufgewachsenen, in Frankfurt arbeitenden Schauspielers, Regisseurs und Autors Jan Neumann ist: die notwendige Einübung ins Sterben. Ein Stück über Lebensglück und Trauer, über Trostlosigkeit und Mut, über das Altwerden. Jan Neumann präsentiert uns keine heroischen, rastlosen Figuren, sondern ganz durchschnittliche, tatenlose Mittelstandsterroristen, hinter deren Floskeln und Redewendungen man durchaus noch Reste einer verwöhnten Generation von Altachtundsechzigern erahnen kann. 

Das ist mitunter sehr humorvoll, gezeigt wird aber eine unmerklich gealterte, verbitterte, liebesunfähige Gesellschaft; Menschen, die von unendlicher Freiheit geträumt ...

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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 157
von Jens Gross

Vergriffen
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