Widerstand gegen Erdogan
Alles Gute zum Jahrestag! Wünschen wir uns gegenseitig am 31. Mai 2016 im Foyer des Ikincikat Theaters in Karaköy, Istanbul. Heves Duygu Tüzün und Sami Berat Marçali sind zwei der drei BegründerInnen des Off-Theaters, das übersetzt «Zweites Stockwerk» heißt. Hier habe ich letztes Jahr die Produktion «P*rk» gesehen. Ein Stück über junge Leute nach den Gezi-Park-Protesten, hin und her gerissen zwischen Apathie und Kampfgeist. Getrieben von der ewigen Frage: Should I stay or should I go?
Heute vor drei Jahren kippte das Protest-Tanzen im Park hinter Taksim in einen Aufstand.
Heute vor drei Jahren fluteten Hunderte, bald Tausende zuerst den Park, dann die Straßen um ihn herum und verhinderten so seinen Abriss. Heute vor drei Jahren war Tränengas in der Wohnung am Taksim, in der ich mich zufällig an dem Abend aufhielt. Ich schaute aus dem Fenster auf die Massen, die auf Eimerdeckel und Satellitenschüssel schlugen und Parolen riefen.
Die Straßen wurden zugesprüht mit Graffitis, die von Widerstand erzählten. Die an den Park angrenzende Konsummeile Istiklal wurde zur Kampfzone der Polizei mit den DemonstrantInnen. Die Besetzung des Gezi hatte keine geringeren Träume als eine neue ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2016
Rubrik: Foyer, Seite 1
von
Ihr nennt es Krise, wir nennen es Krieg», zitiert das Programmheft die ukrainischen Künstler, die sechs Wochen lang am Theater Magdeburg zu Gast waren. Dass der dort geplante «kulturelle Austausch» im «geschützten Raum des Theaters» nicht konfliktfrei verlaufen konnte, erklärt sich schon aus der aktuellen geopolitischen Situation der Ukraine und ihrer jüngeren...
Mitte letzten Jahres saß der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Wilfried Schulz, auf einem Berliner Podium zum Thema «Theater und Netz» – und sprach über Pegida. Sechs Monate später, Lutz Bachmann und Konsorten hatten ausgerechnet den geschichtsträchtigen 9. November für einen ihrer «Spaziergänge» inklusive Kundgebung am Dresdner Theaterplatz auserkoren,...
Auch darstellungstechnisch betrachtet ist Gewalt der Ernstfall: Der vielleicht deutlichste Unterschied zwischen Film und Theater besteht in der Illusion von Gewalt, die sich im Film sehr plastisch erzeugen lässt. Im Theater dagegen kann körperliche Gewalt nur höchst bedingt dargestellt werden, da sie zu Verletzungen führen würde. Eine Spielart der klassischen...
