White Trash
Herberts Bratwurst ist die billigste, denn sie ist eigentlich nicht mehr genießbar. Damit das nicht auffällt, hat sie Herbert einer «Spezialbehandlung» unterzogen. Die «gute lauge», in die er sie legt und die schon «seine oma genutzt hat nach dem krieg», ist mit Arsen und Rattengift versetzt. Das Siegerstück der Essener Autorentage 2012 ist das Stück zur Stunde des Gammelfleischskandals.
Doch nicht nur die Wurst fault, bei Autor Hartmut Musewald tut es auch die gnadenlos auf Profit ausgerichtete Gesellschaft, ihre perfiden Marktgesetze und ihre Knebeljobs, die von der Hartz-IV-Bedrohung profitieren.
Godehard ist froh, nach langer Arbeitslosigkeit endlich als Bratwurstverkäufer bei Herbert angestellt zu sein und dazu noch die junge Ilse ergattert zu haben, doch seinem «Gewiss» machen die Gammelwürste zu schaffen. Daher ist er Ilses Mutter Else ein Dorn im Auge, denn die stört sein «Scheißgewiss« ungemein, das den «guten Weg» Herberts bedroht, auf den er «alle mitnehmen» will, und auch Ilse träumt bereits von einem Mops und Silikonbrüsten, wie sie Herberts Frau Carmen besitzt. Doch Godehard kann der skrupellosen Geschäftsphilosphie Herberts nicht folgen («unsere wurst ist die beste ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Schauspiel Essen Casa, Seite 63
von Natalie Bloch
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