Wellness venezianisch
In Venedig kann man sich auf verschiedene Arten von Masse erschlagen lassen. Die bekannteste ist ein Spaziergang durch San Marco: Noch in der verwunschensten Seitengasse, auf dem schmalsten Seufzerbrücklein, im als absoluter Geheimtipp gehandelten Fischlokal wird man Heerscharen von seinesgleichen begegnen: Freundliche, aber oft auch etwas unglückliche Menschen, die die morbide Schönheit der Serenissima lieber in deutlich weniger Gesellschaft bestaunt hätten. Eine Steigerung erfährt dieses Gefühl zu Zeiten der Kunst-Biennale, speziell in den Tagen vor ihrer offiziellen Eröffnung.
Da mischen sich Fachbesucher, Kunstjournalisten, Sammler und Messejetset unter Venedigs Alltagstourismus – leicht erkennbar an den forciert schicken Garderoben und Leinenbeuteln, mit denen man dieses Jahr todesmutig politisch Gesinnung bekannte: «Free Ai Wei Wei» hatte das Kunstmuseum Bregenz auf seine Gratistaschen gedruckt.
Parcours der harten Rezeptionsarbeit
Die Kunst-Biennale hat ihrerseits die Tendenz, durch schieres Überangebot die Rezeption zu erschweren. 89 Nationen stellen in Pavillons auf dem Biennalegelände, aber auch über die Stadt verteilt aus, oft in ihrerseits aufwändig kuratierten ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Theater und Bildende Kunst, Seite 12
von Eva Behrendt
Gerhard Preusser Herr Weise, Sie haben erklärt, für eine Verlängerung Ihres Vertrages als Generalintendant der Bonner Bühnen nach 2013 nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Klaus Weise In meiner Zeit als Generalintendant wurden vierzehn Millionen per annum weniger an Finanzierung ans Theater gegeben. Das bedeutet einen Verlust von 230 Mitarbeitern. Ich hätte nach...
Schade, dass es an diesem Premierenabend keine Liveschaltung in Frank Castorfs Gedanken gab. Zu gerne hätte man gewusst, ob der Intendant seinem ehemaligen Schauspieler Herbert Fritsch den Erfolg gönnt und seinem Haus endlich mal wieder ein enthusiastisch gestimmtes Publikum, ob er im Angesicht der Klamotte in ihrer reinsten Form erstarrte oder sich gar selber...
Zwischendrin sah es so aus, als wäre das Live-Art-Festival auf Kampnagel ein Zuschauer-Alptraum mit nur zwei Alternativen: entweder mitmachen oder Nackte ansehen. Da erhielt man als Gefangener einer Spielsituation den Auftrag, einem wildfremden Nachbarn mit beiden Händen würgend an den Hals zu fassen, sah einer vollständig unbekleideten Akteurin dabei zu, wie sie...
