Zwergfell massiert
Schade, dass es an diesem Premierenabend keine Liveschaltung in Frank Castorfs Gedanken gab. Zu gerne hätte man gewusst, ob der Intendant seinem ehemaligen Schauspieler Herbert Fritsch den Erfolg gönnt und seinem Haus endlich mal wieder ein enthusiastisch gestimmtes Publikum, ob er im Angesicht der Klamotte in ihrer reinsten Form erstarrte oder sich gar selber vor Lachen schüttelte.
Zum Wiedereinstieg nach dem Ausstieg vor gut drei Jahren hat der Hausherr dem Heimkehrer, der sich in der Zwischenzeit rasant vom Provinztingler zum Theatertreffenregisseur empor inszeniert hatte, jedenfalls nicht gerade den roten Teppich ausgerollt und ihn kurz vor Spielzeitende eben noch so ins Programm gequetscht.
Den Teppich hat Fritsch sich dann einfach selbst ausgerollt. Ein überdimensionaler Läufer aus persisch beplottetem Kunststoff wallt von der Hinterbühne in Richtung Publikum. Darunter ist ein klangverstärktes Trampolin platziert, das die Schauspieler bei Bedarf in hohem Bogen an die Rampe katapultiert oder auch nur gegen die nächsthöhere Falte wirft. Natürlich dient das gute Stück auch als astreine Metapher: Der Teppich, unter den die Dinge gekehrt werden, ist schließlich das Requisit des ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 72
von Eva Behrendt
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