Welcome

Alle zwei Jahre zeigt die freie Szene ein Best-of aus dem Produktionsportfolio. Eine Jury ermittelte, was Mitte März bei der «Tanzplattform Deutschland 2026» in Hellerau und Umgebung zu sehen war. Die Eröffnung mit Mouvoir / Stephanie Thiersch & École des Sables / Alesandra Seutin sah Dorion Weickmann

Tanz - Logo

Die Staatsoperette Dresden sitzt im modernisierten Kraftwerk Mitte und ist eine komplett entstaubte Location. Wüsste man’s nicht besser, käme vermutlich niemand auf die Idee, dass hier im Normalfall die leichte Muse ansässig ist. Eingemietet aber hatte sich zur Eröffnung die «Tanzplattform Deutschland 2026», eigentlich im Festspielhaus Hellerau angesiedelt, doch außerdem auf etlichen Schauplätzen in der ganzen Stadt vertreten.

Der alle zwei Jahre von einem anderen Produktionshaus ausgerichtete und per Juryentscheid bestückte Branchentreff hat eher das Flair einer Großfamilien-Sause – und so fiel denn auch das erste Stück des viertägigen Marathons recht familiär aus. Im Sinne von: Performer*innen und Publikum teilen eine postkoloniale Weltsicht, viel Reibungsfläche ist da nicht gegeben.

«Until the Beginnings», inszeniert von der Kölner Choreografin Stephanie Thiersch und ihrer senegalesischen Kollegin Alesandra Seutin unter Einbeziehung der Kollektive Mouvoir resp. École des Sables, behandelt das Thema Gastgeberschaft und Gastexistenz, eine Art Variation zu Ein- und Ausstieg in Sachen Willkommenskultur. Tarang Cissokho spielt die Kora, eine achtköpfige Performer*innen-Schar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2026
Rubrik: Tanzplattform, Seite 52
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Bondara, Goecke, Kylián «Avant-Garde»

Ein Dreierabend, der unter dem Titel «Avant-Garde» neben zwei eigens auf die Ballettcompagnie des Hauses zugeschnittenen Kreationen von Robert Bondara und Marco Goecke auch das technisch ausgefeilte «27’52”» von Jiří Kylián aus dem Jahr 2002 präsentiert – ein Stück, in dem die Lebensuhr abläuft und die Zeit verrinnt, während die Figuren nach erfüllten Beziehungen...

Müll tanzt

Die Situation ist kurios: Links auf dem Screen erkennt man einen zuckenden Kassenbon, eine flatternde Folie. Und rechts liegt ein Tänzer, krümmt den Rücken, streckt Arme und Beine in seltsame Winkel, um die flatternde Choreografie des Objekts nachzuahmen. Die auf den ersten Blick simple Idee birgt eine vielschichtige Reflexion über Bewegung und Körper, über...

Lady mit Zylinder

Anfang des 19. Jahrhunderts lebte in Yorkshire eine Frau namens Anne Lister. Sie besaß Ackerland und Kohlegruben und wird von einigen als die «erste moderne Lesbe» bezeichnet, auch bekannt als «Gentleman Jack» – eine unkonventionelle, kluge Geschäftsfrau mit erstaunlichem Sexleben. Letzteres kam ans Licht, als es im 20. Jahrhundert gelang, die Geheimschrift zu...