Weiß und schwarz

Terrorismus hat viele Gesichter: Romeo Castellucci zelebriert Hölderlins «Hyperion» in der Berliner Schaubühne, und Michael Thalheimer feiert in Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» Triumphe der Niedertracht

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Wer zuhause eine Hölderlin-Ausgabe im Regal stehen hat, lebt gefährlich. Könnte passieren, dass plötzlich ein gutes Dutzend Ordnungshüter im schweren Antiterror-Outfit durch die Haustür drängeln, Nebelgranaten werfen, Maschinenpistolen schwenken und dann die Einrichtung mit viel Liebe zum Detail in Kleinholz verwandeln. Nach zehn Minuten ist das elegante Apartment zerlegt, und die Bühnentechnik braucht die nächste halbe Stunde, bis der teure Schrotthaufen abgeräumt ist.

So geschehen jüngst in der Schaubühne, wo Romeo Castellucci Hölderlins «Hyperion» auf der Eintrittskarte als «Briefe eines Terroristen» bezeichnet und zur Bestätigung die schweren Jungs vom Rollkommando anrücken lässt.

Dabei gibt es nichts Harmloseres als «Hyperion», Hölderlins schwärmerischen Briefroman, in dem sich der schwäbische Hauslehrer in höchsten Tönen in ein idealisiertes Griechenland träumt, wo er eine neue Mythologie aus Naturschönheit und Kunstreligion herbeiraunt: eine ideengeschichtlich skurrile Mischung aus altfränkischem Pietismus, frühromantischer Griechenliebe und spinozistischem Pantheismus.

Davon kann sich jeder überzeugen, der nach der frühen Pause in den Saal zurückkehrt. Der Raum ist ...

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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Franz Wille

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