Wahrgewordene Befürchtungen

Natalia Vorozhbyt «Zerstörte Straßen» am E.T.A.-Hoffmann Theater Bamberg

Theater heute - Logo

Ganz am Ende dann gibt sich die Autorin zu erkennen, und in einem langen Monolog spricht sie von der Normalität, die sie sich wünscht in diesen Zeiten des Krieges, der Unordnung. Es sind ganz banale Dinge, die ihr einfallen: Einen neuen Vorhang will sie für die Wohnung kaufen, Stangen, an denen sie ihn anbringen kann. In die Stadt will sie fahren, shoppen, wieder heim kommen, es gemütlich, ihre Ruhe haben. 

Aber der Zuschauer kann längst nicht mehr daran glauben, dass dieser Wunsch noch jemals in Erfüllung gehen könnte. Die Stunde zuvor ist er im Bamberger E.T.A.

-Hoffmann-Theater hineingerissen worden in den Strudel der Gewalt, in die Sackgassen der Ausweglosigkeit, in die Sprache der Täter und die Schreie der Opfer. Er hat sich durch diese «Zerstörten Straßen» bewegt, die dem fragmentarischen Theaterstück von Natalia Vorozhbyt den Namen gaben und die ein Sinnbild sind für den Zustand eines Landes, das an seinen Rändern brennt, dessen Landstriche verwüstet und Orte unbewohnbar sind. «Zerstörte Straßen» ist eine der ersten dramatischen Auseinandersetzungen mit den Geschehnissen in der Ukraine; die Bamberger haben es in der Regie von Wojtek Klemm in einer erschreckend nüchternen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 1 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Der Markt regelt nicht alles

Ups & Downs gehören zur Praxis der freien Künste. Vor allem, wenn diese sich auf Wegen der Transformation lange eingeübter Strukturen, Abläufe, Denk- und Arbeitsweisen bewegen. Jetzt aber droht das neue Jahr zu einem abrupten Down, einem verlorenen Jahr für die bundesweit agierenden Freien Darstellenden Künste zu werden, denn die Mittel in der Förderung fallen...

Ändert es!

«Ich mache keinen Krieg mehr. Es ist gut, dass ich hierhergekommen bin, zu einer Stelle der Welt, wo ich nachdenken konnte, drei Minuten lang. Jetzt können wir weggehn.» Länger braucht Bertolt Brechts Erster-Weltkriegssoldat Fatzer nicht, um sich gegen das Töten, fürs Desertieren zu entscheiden. Wesentlich länger dauerte es auf der Bühne der Mülheimer Stadthalle...

Showroom 1/23

INGOLSTADT, STADTTHEATER
bis 3.2.23, Schatten und Licht 

Zusammen mit dem Stadtarchiv und dem dem Projekt «Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt» wird das Schicksal zehn jüdischer Ensemble-Mitglieder des Theaters in Ingolstadt von den 1920er Jahren bis 1945 nachgezeichnet.

MARBACH, LITERATURMUSEUM DER MODERNE
bis 9.2.23, Will’s Book – 400 Jahre Shakespeare’s...