Vor-urteile
Man könnte sich natürlich so raffiniert rausreden wie Claude Debussy. In einer seiner nach wie vor lesenswerten Kritiken beschreibt der Komponist mit bewegenden Worten die Arbeit eines Kollegen: «Zu einer rhythmischen Figur, die etwas von einem Wiener Walzer an sich hat, machen Libellen gar rührende Gleitflugversuche, während im Hintergrund der Landschaft Nymphen sich nach der jüngsten Methode von Isadora Duncan im Tanze wiegen.
» Um am Ende in einer Klammer hinzufügen: «Da wir kein Programm hatten, ist es möglich, dass» – und hier erwähnt er den Namen des nicht eben unbekannten Mannes – «eine ganz andere Szenerie vorschwebte als uns. In diesem Falle möge er uns verzeihen.»
Im Ernst: Was sich ein Komponist, oder sagen wir in unserem Fall: ein Choreograf bei seiner Arbeit gedacht hat, muss sich nicht punktgenau mit dem Eindruck decken, den das Publikum später bei einer Aufführung davon gewinnt. Vorausgesetzt, es hat kein Programmheft zur Hand oder sich keinen der inzwischen offenbar unvermeidlichen Einführungsvorträge angehört. Beides macht sicher Sinn. Aber wenn die Vorabinformation dazu führt, dass sie den Blick verengt? Wenn sie der Fantasie nicht, wie eigentlich erhofft, auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Hartmut Regitz
Zu viele Metaphern schaden dem Tanz. Hier ist alles drin: griechische Mythologie, christliche Religion, deutsch-deutscher Mauerbau, Klezmer und Beethovens Taubheit. Weil das Programmheft nur mit Floskeln weiterhilft, müssen wir selbst den roten Faden finden. Aber auch der ist schon da: Ein rotes Tuch zieht sich durch alle drei Stücke, wird von der revolutionären...
Diese abgrundtiefe Langeweile auf der Bühne. Obwohl: Abgrund hat sie nicht, nur Hohlheit, Leere. Die neue Performance von Alexandra Bachzetsis, die in PACT Zollverein in Essen Premiere feierte, beschreitet als «Escape Act» die Flucht ins design-te Nichts. Das finden viele im Publikum toll, wahrscheinlich auch der Philosoph Paul B. Preciado, Verfasser des...
Bettina Wagner-Bergelt, in der Tanzwelt kennt man Sie vor allem als langjährige Dramaturgin und Vizedirektorin des Bayerischen Staatsballetts. In der Bauhaus-Welt kennt man Sie sicher nicht so gut – was verbindet Sie mit dem Bauhaus?
Ich bin da ein merkwürdiger Zwitter. Ich habe ganz viel übrig für Geschichten. Zugleich bin ich auch ein absoluter Fan der...
