Vor Ort sein!
Theater machen in der Provinz. Klingt reichlich zweitklassig und meilenweit weg vom Berliner Theatertreffen. Aber was ist eigentlich Provinz? Universitätsstandorte wie Tübingen oder Heidelberg? Wirtschafts- und Verwaltungszentren wie Mannheim oder Karlsruhe? Wer heute im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch Provinz sagt, denkt in Kategorien des 19. Jahrhunderts. Provinz, das spielt sich inzwischen im Kopf ab, findet sich nicht in Kleinstädterei, sondern in Denkfaulheit und Ideenarmut.
Ersetzen wir das schöne P-Wort, das auch ein wenig nach Ferien und Natur klingt, durch ein eher sachliches «vor Ort sein». Denn daran bemisst sich Qualität und Nachhaltigkeit von Theaterarbeit. Vor Ort finden sich die konkreten Themen und Stoffe, die nichtprovinzielle Theaterarbeit wichtig machen.
Vor Ort trifft man auch auf ein besonderes Publikum: Gerade die oft als rückständig geschmähten Abonnenten unserer Landes-, Stadt- und Staatstheater verfügen durch ihre langjährige beharrliche Theatertreue über eine große Bandbreite von Theatersprachen und Regiehandschriften. Viele von ihnen haben eine Theaterallgemeinbildung, die vergleichbar in den großen ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Peter Spuhler
Hippiekitsch!» – «Petit Bourgeois!»: Das war so die Munition, die sich die Kontrahenten auf dem Höhepunkt der von Patrick Wildermann moderierten Diskussion an die heiß geredeten Köpfe knallten. Als Letzterer wurde der Kunsthistoriker und Co-Kurator der HAU-Veranstaltungsreihe «Phantasma und Politik» Helmut Draxler belächelt, der in seinem Eröffnungsvortrag...
Es fällt schwer, nicht bei allem, was das Volkstheater Rostock derzeit produziert, sogleich den beklemmenden Doppelsinn zu vernehmen. Das war schon so beim Spielzeitauftakt im September 2014 mit Wilhelm Dieter Sieberts Mitmach-Oper «Untergang der Titanic», die mit ChoristInnen in Totenkopfmasken eine weitere Saison Existenzkampf in kulturpolitisch schwerer See...
Der Exzentriker trägt einen rotseidenen Hausmantel zu schwarzen Kniestrümpfen und Schnallenschuhen. Vor Gericht aber verteidigt er sich eloquent, mit jedem Wort um Genauigkeit ringend: Hier soll kein Missverständnis aufkommen darüber, wer der Angeklagte ist und wer der Kläger. Der Schriftsteller und Lebemann Oscar Wilde verklagte 1895 den Vater seines Geliebten...
