Vor Ort sein!
Theater machen in der Provinz. Klingt reichlich zweitklassig und meilenweit weg vom Berliner Theatertreffen. Aber was ist eigentlich Provinz? Universitätsstandorte wie Tübingen oder Heidelberg? Wirtschafts- und Verwaltungszentren wie Mannheim oder Karlsruhe? Wer heute im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch Provinz sagt, denkt in Kategorien des 19. Jahrhunderts. Provinz, das spielt sich inzwischen im Kopf ab, findet sich nicht in Kleinstädterei, sondern in Denkfaulheit und Ideenarmut.
Ersetzen wir das schöne P-Wort, das auch ein wenig nach Ferien und Natur klingt, durch ein eher sachliches «vor Ort sein». Denn daran bemisst sich Qualität und Nachhaltigkeit von Theaterarbeit. Vor Ort finden sich die konkreten Themen und Stoffe, die nichtprovinzielle Theaterarbeit wichtig machen.
Vor Ort trifft man auch auf ein besonderes Publikum: Gerade die oft als rückständig geschmähten Abonnenten unserer Landes-, Stadt- und Staatstheater verfügen durch ihre langjährige beharrliche Theatertreue über eine große Bandbreite von Theatersprachen und Regiehandschriften. Viele von ihnen haben eine Theaterallgemeinbildung, die vergleichbar in den großen ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Peter Spuhler
Samuel Koch, der bei «Wetten, dass …?» verunglückte Schauspieler, ist das jüngste Beispiel für die Diskussion über Inklusion auf dem Theater. Bei den bisherigen Inszenierungen des Staatstheaters Darmstadt mit Samuel Koch schien es um die Erkundung der Wirkungen zu gehen, die entstehen, wenn ein Querschnittgelähmter die Rolle eines körperlich nicht Behinderten...
Die Konkurrenz ist groß. Am Arbeitsmarkt genauso wie draußen in der freien Wildbahn. Dort kämpfen Zebra und Löwe um die Vorherrschaft über die anderen Tiere und gehen dabei strategische Allianzen und erfolgsorientierte Partnerschaften ein. «Up or out» lautet ein Prinzip neoliberaler Arbeitswelten, in der Tierwelt des Roland Schimmelpfennig heißt es dagegen:...
Agamemnons Tochter Elektra hält sich fit: Mit einer ausdauernden, wenn auch etwas ungelenken Körpergymnastik im coolen schulterfreien Top trifft Caroline Hankes Vaterrächerin auf ihre overdresste Mutter Klytaimnestra (Friederike Tiefenbacher im roten Futteralkleid unterm Pelzmantel). Allerdings werfen sich die beiden Gesellschaftsdamen neben altem Familientratsch...
