Von Lügen und Fantasie
Ein Junge, Nick, macht sich im Internet zu einem Mädchen. Ein anderer Junge, Adam, verliebt sich in das Mädchen, will es sehen, treffen, anfassen. Ein alltäglicher Plot aus der virtuellen Welt von «World of Warcraft» oder «Second Life». Die nur so wimmelt von Avataren, erfundenen Identitäten, erträumten Biografien. Von Lüge und Gegenlüge. Von Träumen und Verführung, von Naivität und Kriminalität. Pubertäre Schwindelei, ausprobieren, wie weit die Fantasie, die Verführungskräfte, vor allem die Macht über andere reichen.
Zum ersten Mal auf deutscher Bühne: Carlos Murillo, Jahrgang 1971. Murillo gewann zweimal den National Latino Playwriting Award, er wohnt und lehrt in Chicago. «Dark Play» ist ein well-made play: die Sätze kurz, schnell, authentisch, Nicks Spielereien, Erfindereien eine mitreißende Mischung aus Gewitztheit und Gefühl. Ein Theaterstück übers Chatten: Aber kein Chatroom auf der kleinen Zweitbühne in Aalens altem Rathaus – wie sollte der auch aussehen? Nicht mal ein Computer, im Gegenteil: an allen drei Wänden Schiefertafeln, wie Steintafeln für Hieroglyphen, für Runen. Die beiden Jungs schreiben mit Kreide, unlesbar, in Fantasieschrift, schreiben vorwärts, rückwärts, ...
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Für einen war die bisherige Spielzeit schon mal ergiebig: Bertolt Brecht. Sein Lehrstück in Sachen Spekulation und Menschenliebe, die «Heilige Johanna der Schlachthöfe», avancierte zum Krisengewinnler der schon nicht mehr ganz frischen Saison – und steht diesen Monat wieder in der Regie von Frank Abt auf dem Spielplan des Jungen Theaters in Göttingen. Das Hamburger...
Herfried Münklers Problemwarnung ist scheinbar zweigeteilt. Zum einen mahnt er die fehlende Eigenverantwortung durch Dezentralisierung der Demokratisierung an – ganz konkret die scheinbare Unmöglichkeit eines funktionierenden EU-Parlaments. Zweitens die Wegdelegierung des eigenen Engagements aus historisch gewachsenen demokratischen Organisationen wie Parteien und...
Gott hat es nicht leicht in anglophonen Theaterstücken. Zumindest der Engländer Simon Stephens und der Ire Enda Walsh bringen in ihren aktuellen Werken in der Hauptsache Beweise gegen seine Existenz vor. Ein Kind stirbt, weil es beim Spielen von einer Klippe fällt. Ein obszöner Vater wird von einem unbekannten Sohn getötet. Familien zerfallen, Selbstmorde und...
