Visionen und feste Größen
Könnte es sein, dass zu #MeToo so langsam alles Wesentliche gesagt ist? Nur noch nicht von allen? Das Maxim Gorki Theater geht die Frage zum Saisonbeginn systematisch an. Im Vorprogramm zur neuen Yael-Ronen-Produktion «Yes but No» läuft im kleinen Studio eine Stückeigenentwicklung von Suna Gürler und Lucien Haug zum Thema Adam, die männliche Hauptfigur, unter einem Titel, der schon eine klare Ansage ist: «You are not the hero of this story.
»
Das Textmaterial ist aus Interviews gesampelt, die sogenannte «echte Männer» – im Gorki weiß man offenbar, was das ist – zu ihren Erwartungen, Ängsten und Hoffnungen gegeben haben. Auf einer steilen Bühnenschräge erscheint das fünfköpfige Ensemble (Maryam Abu Khaled, Mareike Beykirch, Karim Daoud, Tahera Hahemi und Elena Schmidt) ordentlich uniformiert im klassischen Männerkostüm aus dunkelblauem Anzug, Hemd und Krawatte, und turnt sich in kleinen, aber schweißtreibenden Gruppenimpros durch den Text. Jeweils vier von ihnen stoßen dabei immer eine wechselnde Hauptfigur, den jeweiligen Adam aus, der dann die Hauptlast der angehäuften Männerbilder stemmen muss. Es geht um Allmachtsgefühle und Selbstmitleid, aufgeklärte ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 25
von Franz Wille
Ist schon eine Weile her, dass ein gewisser Major Tom die Ground Control anfunkte und sich daran gewöhnen musste, dass irgendwas schief läuft. Das war 1969. Dreizehn Jahre nach David Bowie ließ Peter Schilling denselben Major im All schweben und sorgte dafür, dass der lost Tom «völlig losgelöst» war. Die neue deutsche Welle hielt sich mit Text nicht wirklich lange...
VORSPIEL
Eine winzige Gemeindebauwohnung. Feuerwehr und zwei Polizeibeamten im Raum. Die Wohnungstür ist aufgebrochen worden. Die Polizisten stehen vor einem offenen Schrank, dessen Inhalt nur für sie sichtbar ist. Im Raum stehen auffallend viele mit Tüchern abgedeckte Kästen herum, von der Größe etwa mit kleineren bis mittelgroßen Aquarien vergleichbar.
Erster...
Herr Jedermann ist auf dem Salzburger Domplatz bereits an die 700 Tode gestorben. Und doch ist der Mann einfach nicht umzubringen. Seit die Salzburger Festspiele 1920 gegründet wurden, hat Hugo von Hofmannsthals katholisches Knittelversdrama einen Fixplatz im Spielplan. Als Andres Müry 2001 ein Buch über das Kultstück vorlegte, gab er ihm den schönen Titel...
