Visionen und feste Größen

Uraufführungen in Berlin am Deutschen Theater und am Maxim Gorki Theater mit Texten von Suna Gürler, Lucien Haug, Yael Ronen und René Pollesch

Könnte es sein, dass zu #MeToo so langsam alles Wesentliche gesagt ist? Nur noch nicht von allen? Das Maxim Gorki Theater geht die Frage zum Saisonbeginn systematisch an. Im Vorprogramm zur neuen Yael-Ronen-Produktion «Yes but No» läuft im kleinen Studio eine Stückeigenentwicklung von Suna Gürler und Lucien Haug zum Thema Adam, die männliche Hauptfigur, unter einem Titel, der schon eine klare Ansage ist: «You are not the hero of this story.

» 

Das Textmaterial ist aus Interviews gesampelt, die sogenannte «echte Männer» – im Gorki weiß man offenbar, was das ist – zu ihren Erwartungen, Ängsten und Hoffnungen gegeben haben. Auf einer steilen Bühnenschräge erscheint das fünfköpfige Ensemble (Maryam Abu Khaled, Mareike Beykirch, Karim Daoud, Tahera Ha­hemi und Elena Schmidt) ordentlich uniformiert im klassischen Männerkostüm aus dunkelblauem Anzug, Hemd und Krawatte, und turnt sich in kleinen, aber schweißtreibenden Gruppenimpros durch den Text. Jeweils vier von ihnen stoßen dabei immer eine wechselnde Hauptfigur, den jeweiligen Adam aus, der dann die Hauptlast der angehäuften Männerbilder stemmen muss. Es geht um Allmachtsgefühle und Selbstmitleid, aufgeklärte ...

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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 25
von Franz Wille

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