Bücher: Unter Einfluss
Der Theaterwissenschaftler Thomas Blubacher hat seine spannend zu lesenden Bücher über Gustaf Gründgens, die Geschwister Eleonora und Francesco von Mendelssohn und über den Schweizer Regisseur und Theaterdirektor Oskar Wälterlin jetzt mit einer Biografie über die Schauspielerin Ruth Hellberg ergänzt. Deren bunte Lebensgeschichte liefert ihm den Stoff zu Kreuz- und Querzügen durch die deutschsprachige Theatergeschichte des gesamten 20. Jahrhunderts.
Denn sie hatte nicht nur beruflich mit den meisten Akteuren und Geschehnissen des Theaters zu tun, sie war auch privat mit ihnen verwandt und verbandelt.
Ruth Hellberg war die Tochter der Schauspielerin Margit Hellberg und des Regisseurs Fritz Holl, sie hatte Liaisons mit Otto Falckenberg, Oskar Homolka, Pamela Wedekind, war mit Gründgens und Käthe Dorsch befreundet, heiratete Wolfgang Liebeneiner, aber der Vater ihres Sohnes Andreas (geboren 1930) war der jüdische Verleger Fritz H. Landshoff, der 1933 emigrieren musste. Sie war um das Wohlergehen der ihr nahestehenden Menschen immer besorgt, als kritischer Geist und Ratgeberin geschätzt. Die eigene Karriereplanung beherrschte sie weniger.
Aber Ehrgeiz und Opportunismus zersetzten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Klaus Völker
Ums Schuheausziehen wird man üblicherweise in den Wohnungen ostdeutscher und muslimischer Mitbürger*innen gebeten. Auch im Ballhof des Jungen Schauspiels Hannover ergeht die freundliche Aufforderung an das Publikum, paarweise die eigenen Schuhe nach vorne zu reichen. Dabei ist die Bühne für Oliver Frljics «Nathan» von Anfang an mit einer dicken Schicht gebrauchter...
Neue Stücke
Die Alt- und Neumeister der Überschreibungsdramaturgie schreiten zu neuen Taten: Im Berliner Ensemble sampelt Simon Stone Motive aus Aristophanes’ «Lysistrata», Euripides’ «Die Troerinnen» und «Die Bacchen» zu einer hyperheutigen Geschichte des weiblichen Widerstands mit dem lapidaren Titel «Eine griechische Trilogie», die der Autor mit genderflexibler...
Herr Jedermann ist auf dem Salzburger Domplatz bereits an die 700 Tode gestorben. Und doch ist der Mann einfach nicht umzubringen. Seit die Salzburger Festspiele 1920 gegründet wurden, hat Hugo von Hofmannsthals katholisches Knittelversdrama einen Fixplatz im Spielplan. Als Andres Müry 2001 ein Buch über das Kultstück vorlegte, gab er ihm den schönen Titel...
