«Viele sind tot, viele sind untot. Hallelujah!»
Ein gläserner Tunnel liegt wie ein Gedärm in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck. Und wir darin, ein zähflüssiger Besucherstrom, schieben uns langsam vorwärts ins Halleninnere. Linkerhand stapeln Arbeiter «Marina»-Pflanzenmargarine, dort hinten spielen Mädchen in einem Kabuff Ringelreihen. In die Tunnelwände sind Monitore eingelassen, die das Areal abfilmen. «Man sah einen Baum, der Baum war verboten. / Man sah einen Zaun, der Zaun war verboten», klingt es eisig über die Lautsprecher.
Wir stoßen in die zentralen Tunnelschleifen vor, umkreisen ein Bettenlager, das im Herzen der Halle aufgebaut ist. Gut einhundert Laienakteure aus dem Ruhrgebiet siedeln hier, darunter eine Turnergruppe, eine Hochzeitsgesellschaft, Leute in Strahlen- schutzanzügen. Den Platz überragt eine Kuppel wie ein futuristischer Altar. Darin begleitet eine Jazz-Combo Sandra Hüller, die mit Björk-artigem Sprechgesang oder a cappella düstere Botschaften von Rolf Dieter Brinkmann in den Äther schickt.
Ausnahmezustand nach Kamerun
Der Ex-Punk und Theatermacher Schorsch Kamerun hat sich mit der Bühnenbildnerin Constanze Kümmel «Westwärts 1&2», den letzten Gedichtband Brinkmanns aus dem Jahr 1975, vorgenommen und ...
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spekulation.
kann man einen zusammenhang erkennen zwischen der erschreckenden zunahme der krankheit krebs und der gesellschaft, in der sie derartig zunimmt? krebs hat ja als überproduktion von zellen zumindest strukturell gemeinsamkeiten mit bestimmten ökonomischen erscheinungen im kapitalismus.
oder hat diese krankheit etwas mit der deckelung bestimmter...
Es war einmal die Paradedisziplin von Botho Strauß: Paare in ihren nicht mehr ganz frischen Jahren, anmutig überkreuz oder nebeneinander verzwirbelt im Beziehungsdickicht der bundesdeutschen Achtziger. Saturierte Selbstbeobachter schlugen ihre vielfach gebrochenen Spiegelkabinette auf, sorgsam arrangiert vor tragisch mythischen Abgründen. Die Stücke entfalteten...
Mit Sandro Lunin hat ein Kenner des afrikanischen Theaters die künstlerische Leitung des Spektakels neu übernommen. Sein Programm ließ auf etwas schließen, was man mitunter von Freunden kennt, die unterschiedliche Teile Afrikas länger aus der Nähe gesehen haben: Die sind vom Kitschsyndrom, einer touristisch hilflosen Umkehrung von Rassismus, in der Regel kuriert....
