«Viele sind tot, viele sind untot. Hallelujah!»
Ein gläserner Tunnel liegt wie ein Gedärm in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck. Und wir darin, ein zähflüssiger Besucherstrom, schieben uns langsam vorwärts ins Halleninnere. Linkerhand stapeln Arbeiter «Marina»-Pflanzenmargarine, dort hinten spielen Mädchen in einem Kabuff Ringelreihen. In die Tunnelwände sind Monitore eingelassen, die das Areal abfilmen. «Man sah einen Baum, der Baum war verboten. / Man sah einen Zaun, der Zaun war verboten», klingt es eisig über die Lautsprecher.
Wir stoßen in die zentralen Tunnelschleifen vor, umkreisen ein Bettenlager, das im Herzen der Halle aufgebaut ist. Gut einhundert Laienakteure aus dem Ruhrgebiet siedeln hier, darunter eine Turnergruppe, eine Hochzeitsgesellschaft, Leute in Strahlen- schutzanzügen. Den Platz überragt eine Kuppel wie ein futuristischer Altar. Darin begleitet eine Jazz-Combo Sandra Hüller, die mit Björk-artigem Sprechgesang oder a cappella düstere Botschaften von Rolf Dieter Brinkmann in den Äther schickt.
Ausnahmezustand nach Kamerun
Der Ex-Punk und Theatermacher Schorsch Kamerun hat sich mit der Bühnenbildnerin Constanze Kümmel «Westwärts 1&2», den letzten Gedichtband Brinkmanns aus dem Jahr 1975, vorgenommen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine überdurchschnittliche Disposition zum Wahnsinn ist dem Monarchen Lear in Dresden eigentlich nicht anzumerken. Dieter Mann, der am dortigen Staatsschauspiel bereits gastweise als Senior-Feldherr Wallenstein und als altersweiser Religionslehrmeister Nathan aufgetreten war, wirkt bei der anfänglichen Reichsaufteilung unter seinen drei Töchtern eher wie ein...
Der Mann hat ein gutes Verhältnis zu seinem Bauch. Gemeint ist nicht der Bauch, der bei Klaus Maria Brandauer in den vergangenen Jahren deutlich an Umfang gewonnen hat. Sondern der, der ihn auf der Bühne im richtigen Augenblick das Richtige tun lässt – ein behendes Tänzchen, ein undurchdringliches Lächeln, ein schalkhaftes Schäkern mit dem Publikum. Gemeint ist der...
In knapp viereinhalb Minuten ist eine harmlose Freizeitaktivität in etwas Unbegreifliches umgeschlagen, und, so viel sei hier verraten, auch in den restlichen 78 Minuten wird der Zuschauer nichts Weiteres über die Beweggründe dieser seltsamen Tat erfahren.Wüsste man es nicht, man würde gewiss nicht vermuten, dass dieser still forschende, beinahe dokumentarisch...
