Roland Schimmelpfennig: «Die Sprache des Regens», S. Fischer Verlag, 320 Seiten, 22 Euro

Verschränkte Schicksale

Die Welt steht still in Roland Schimmelpfennigs Roman «Die Sprache des Regens»

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Was sind das für Orte, wo hat man sie schon einmal gesehen? Am Schwarzen oder am Kaspischen Meer vielleicht? Vergessene Siedlungen am Wasser, aufgelassene Häfen. Draußen auf der trüben See verrostete Ölförderanlagen, die schon lange nichts mehr zutage fördern; am Land der Teer der Straßen brüchig, die Fassaden der Häuser schrundig, freiliegende Stromleitungen baumeln in der Luft, die salzig und rußig schmeckt, ungesund riecht.

Die Menschen laufen gebeugt, als würde sie ein riesiger Daumen im Genick her­unterdrücken, und sie schauen sich nicht an, blicken auf den Boden, der Risse hat. Früh und nachts karren graugrüne Busse oder offene Lastwagen die Arbeiter von da nach dort, und keiner weiß so recht, warum.

«Der böse Blick, Geistererscheinungen, weinende Spiegel, Seelenwanderungen, Beschwörungen, Tauschgeschäfte von Leben und Tod: Darüber sprachen die Männer und Frauen auf den Lastwagen oft, auf dem Weg zu den großen Feldern ...», schreibt Roland Schimmelpfennig und zeigt uns seine Figuren als ein vergessenes Volk mit dem Hang zum Fantasieren und zum Aberglauben, weil der wirkliche Glaube an eine 

irgendwie bessere, zumindest einigermaßen erträgliche Welt noch nie geholfen hat. ...

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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Bücher (12 17), Seite 50
von Bernd Noack

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