Ungarische Biopolitik
So etwas wie politisches Theater hat es in den letzten zwei Jahrzehnten in Ungarn nicht allzu oft gegeben. Das spricht weder für das Theater noch für die Gesellschaft. Inszenierungen wie «Blackland» vom ehemaligen Krétakör Theater, das den Zustand von Gesellschaft und Politik reflektierte, waren die Ausnahme. Aber in den vergangenen Jahren und vor allem jetzt, im Wahljahr, ist das politische Theater präsenter denn je.
Das politische Klima im Land verwandelt die Theater Budapests zum einzigartigen (und auch nahezu einzigen) Forum, in dem die wichtigen politischen Fragen gestellt werden und eine absurde Politik kritisiert wird.
Andere, größere Plattformen für abweichende Meinungen sind für Künstler kaum noch zugänglich; Hörfunk, Zeitungen und Fernsehen haben schon lange aufgehört, ein solches Forum zu bieten. Es herrscht Einstimmigkeit: Die eine Meinung ohne kritische Gegenpositionen dominiert die Medien. Seit den Wahlen von 2010 ist etwa der Schriftsteller Peter Esterhazy in kein einziges öffentliches Studio mehr eingeladen worden. Und kürzlich erst nutzte die angesehene Dichterin Krisztina Tóth während des Internationalen Buchfestivals in Budapest eine Preisübergabe an Sofi ...
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Theater heute Juni 2014
Rubrik: Ausland, Seite 32
von Andrea Tompa
Sein Hauptberuf, schon lange: Professor für Zeitgenössische Kunst – unter anderem in Kalifornien, Stuttgart, seit 2006 in Wien. Doch für die meisten ist Diedrich Diederichsen Deutschlands berühmtester Pop-Theoretiker, auf Lebenszeit. Und für die Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift ist er auch Analytiker sperriger Allianzen, etwa von Schlingensief und Wagner....
Seit über einem Jahr wird verhandelt, aber ein Urteil ist nicht in Sicht. Der Prozess schleppt sich zäh durch tagelange Verhöre mit Handlangern aus dem Dunstkreis des rechten Untergrunds, die sich an kaum etwas erinnern können oder wollen. Akribisch gründlich arbeitet das Münchner Oberlandesgericht, um wenigstens jetzt Licht in das verbrecherische Schattendasein...
Letztes Jahr gewann das Stück den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes, zur Eröffnung des diesjährigen Festivals gab es nun die Uraufführung. Henriette Dushe widmet sich in ihrem zweiten Theatertext dem Sterben und dem Warten dreier namenloser Schwestern auf den Tod des Vaters. Dushe benennt die drei Schwestern gemäß ihrem Platz in der Geschwisterreihe. Die...
