Und der Herr sprach
Der Himmel hat 600 Neonröhren. Ein riesiger rechteckiger Lichtkasten hängt horizontweit über der Bühne der Münchner Kammerspiele. So wünscht sich Osram den ersten Schöpfungstag. Es werde Licht, flackerfrei schaltbar, gruppenweise vernetzt, stromsparend. Und wenn alle 600 gleichzeitig aufflammen, kommen sie dem Sonnenideal ziemlich nahe: schattenfreie Tageshelle, wohin die Netzhaut schmerzt. Romantik sieht anders aus, aber mehr transzendentaler Ausblick ist nun mal nicht zu haben.
Der freie, selbstbestimmte Mensch in seiner aufgeklärten Herrlichkeit ist das Thema von Krzysztof Kieslowskis zehnteiliger Fernsehserie «Dekalog». Entstanden sind die Filme in Polens bleierner Zeit Mitte der Achtziger, als nach dem Erfolg von Solidarnosc das sozialistische Regime in seine totalitäre Endphase getaumelt war und General Jaruzelski – der mit der spiegeleigroßen Sonnenbrille – mit Kriegsrecht regierte. Übrigens nicht ohne sich hinterher zu rechtfertigen, damit doch nur den Einmarsch der Sowjets verhindert zu haben. Natürlich ging es Kieslowski und seinem Drehbuchautor, dem Rechtsanwalt Krzysztof Piesiewicz, nicht darum, mit moralischem Zeigefinger an die zehn Gebote zu erinnern – im ...
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Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
Natürlich ist ein behindertes Mädchen, das als Tor zur Welt gerade das «Ficken» entdeckt hat, eine Überforderung für ihre Umgebung. Vor allem, wenn sie sich weigert, die Pille zu nehmen. Das ist in Gießen auch nicht anders als in Basel, Stuttgart oder Hamburg. Solange Dora Psychopharmaka bekommt, thront sie stumpf auf einem Stapel Metallkoffer, stiert ins Leere und...
Das Schlimmste, was ihrem Stück auf dem Theater passieren könne, sagt Anja Hilling, sei, dass auf der Bühne wirklich Gulasch gekocht werde. Nun wurde bei der inoffiziellen Uraufführung von «Mein junges idiotisches Herz» im Werkraum der Münchner Kammerspielen dieses Gulasch nicht nur gekocht, sondern am Ende der Vorstellung auch noch von allen Schauspielern...
