Und der Herr sprach
Der Himmel hat 600 Neonröhren. Ein riesiger rechteckiger Lichtkasten hängt horizontweit über der Bühne der Münchner Kammerspiele. So wünscht sich Osram den ersten Schöpfungstag. Es werde Licht, flackerfrei schaltbar, gruppenweise vernetzt, stromsparend. Und wenn alle 600 gleichzeitig aufflammen, kommen sie dem Sonnenideal ziemlich nahe: schattenfreie Tageshelle, wohin die Netzhaut schmerzt. Romantik sieht anders aus, aber mehr transzendentaler Ausblick ist nun mal nicht zu haben.
Der freie, selbstbestimmte Mensch in seiner aufgeklärten Herrlichkeit ist das Thema von Krzysztof Kieslowskis zehnteiliger Fernsehserie «Dekalog». Entstanden sind die Filme in Polens bleierner Zeit Mitte der Achtziger, als nach dem Erfolg von Solidarnosc das sozialistische Regime in seine totalitäre Endphase getaumelt war und General Jaruzelski – der mit der spiegeleigroßen Sonnenbrille – mit Kriegsrecht regierte. Übrigens nicht ohne sich hinterher zu rechtfertigen, damit doch nur den Einmarsch der Sowjets verhindert zu haben. Natürlich ging es Kieslowski und seinem Drehbuchautor, dem Rechtsanwalt Krzysztof Piesiewicz, nicht darum, mit moralischem Zeigefinger an die zehn Gebote zu erinnern – im ...
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Was aus dem einen, sehr sehr langen Theaterstück, das René Pollesch in kleinen Fetzen an verschiedenen Orten seit Jahren zur Aufführung bringt, konsequent hervorscheint, ist die Sehnsucht des Autors nach der alten politisch-ideologischen Entweder-oder-Weltsicht, die mit fetzigen Ist-Sätzen Klarheit schafft, sowie der ewige Kampf dieser Sehnsucht mit dem Alltag des...
Die Arbeit des Andryi Zholdak, Direktor des Staatlichen Schwetschenko-Theaters in Charkow, einer Stadt, die man aus Tolstoj-Romanen bestens zu kennen glaubt, und Träger des Unesco-Regiepreises, wird gemeinhin als «Theaterwunder» bezeichnet. Muss man also mal unter die Lupe nehmen. Herr Zholdak stammt aus einer «Intellektuellenfamilie der Ukraine», wie es in allen...
Ein Krieg ist zu Ende. Dass er damit für die Menschen, die ihn erlebt haben, für all die Heimkehrenden, Befreiten, Zurückgebliebenen noch lange nicht beendet ist, wird meist verdrängt. Anders in Lars Noréns jüngstem Stück, in dem er zeigt, dass Krieg und die Folgen eines Krieges strukturell gleich zerstörerisch sind.
Ein Familienvater kehrt aus dem Lager zurück....
