Und der Herr sprach

«Die zehn Gebote», Kieslowskis Filmklassiker aus dem restsozialistischen Polen der achtziger Jahre, werden von Johan Simons sicher in die Münchner Kammerspiele geführt

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Der Himmel hat 600 Neonröhren. Ein riesiger rechteckiger Lichtkasten hängt horizontweit über der Bühne der Münchner Kammerspiele. So wünscht sich Osram den ersten Schöpfungstag. Es werde Licht, flackerfrei schaltbar, gruppenweise vernetzt, stromsparend. Und wenn alle 600 gleichzeitig aufflammen, kommen sie dem Sonnen­ideal ziemlich nahe: schattenfreie Tageshelle, wohin die Netzhaut schmerzt. Romantik sieht anders aus, aber mehr transzendentaler Ausblick ist nun mal nicht zu haben.

Der freie, selbstbestimmte Mensch in seiner auf­geklärten Herrlichkeit ist das Thema von Krzysztof Kieslowskis zehnteiliger Fernsehserie «Dekalog». Entstanden sind die Filme in Polens bleierner Zeit Mitte der Achtziger, als nach dem Erfolg von Solidarnosc das sozialistische Regime in seine totalitäre Endphase getaumelt war und General Jaruzelski – der mit der spiegeleigroßen Sonnenbrille – mit Kriegsrecht regierte. Übrigens nicht ohne sich hin­terher zu rechtfertigen, damit doch nur den Einmarsch der Sowjets verhindert zu haben. Natürlich ging es Kieslowski und seinem Drehbuchautor, dem Rechtsanwalt Krzysztof Piesiewicz, nicht darum, mit moralischem Zeigefinger an die zehn Gebote zu erinnern – im ...

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Theater heute April 2005
Rubrik: Aufführungen/Vergleiche, Seite 4
von Franz Wille

Vergriffen
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