Überall Sexuelles
Wie ändert sich in sieben Jahren der Blick auf ein Erstlingsdrama, das seinerzeit als veritables Horrorstück in die Theatergeschichte einging? Eine ganz normale vierköpfige Familie: Die pubertierenden Kinder sind inzestuös ineinander verwoben, Kurt bastelt in der Garage Molotowcocktails und wirft sie in fremde Häuser, am Schluss erschlagen die Geschwister ihre Eltern mit dem Hammer, und Kurt zündet sich selbst an.
Eine Begründung gibt es für die Häufung der Krassheiten letztlich nicht; die These von der terroristischen Struktur der klassischen bürgerlichen Kleinfamilie ist eine stehende Größe, als solche unhinterfragbar. Und so sucht Florian Fiedler in seiner Düsseldorfer Inszenierung auch gar nicht erst nach psychologischen Motivketten, sondern nimmt den atem- und szenenübergangslosen Text des Marius von Mayenburg zum Anlass eines dichten Theaterabends, der seine Plausibilität in sich selbst, in seiner ästhetischen Form findet und nicht im psychosozialen Kontext. Den hat der Autor ja ohnehin von etlichen Vorbildern zwischen Fleißer und Kroetz geborgt, an die sogar noch die pseudobayerische Idiomatik erinnert; innovativ ist die Forcierung, das Tempo, der zeitgemäße Drive.
Am Anfang ...
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Die Leningrad Cowboys sind die Band, die uns seit Jahren daran erinnert, dass es in Russland, wo die Leute immer etwas zu schwermütig sind und zu viel trinken, eigentlich ganz schrill ist. «Those Were The Days My Friend» rocken die Ironiebolzen eingangs aus den Lautsprechern, und dazu tanzen auf einer mit Champagnerflaschen dekorierten Tafel die drei Schwestern...
In den ersten beiden Akten murren die Schweizer lange nur gegen die habsburgische Fremdherrschaft, bis sie sich dann doch in Richtung Rütli bewegen. Ist es dann endlich soweit, wartet Schiller aber plötzlich mit privaten Szenen auf und zeigt den Tell in der Bergidylle. Eigentlich ist die Schweiz bereit für die Revolte, während sich der Scharfschütze vorerst lieber...
