Über allen Gipfeln
Alles wegen einer Ananas: Weil der vom Hunger geplagte Severin beim Überfall auf ein
Lebensmittelgeschäft nicht nach Brot oder Schinken, sondern nach der verlockenden Südfrucht greift, kommt ein zunehmend aberwitziges Geschehen in Gang. Nach drei Akten, vielen Bildern und mancher abrupten Schicksalswende liegen sich der Räuber und sein Verfolger, Landgendarm Olim, frierend und mittellos in den Armen, um sich im Silbersee zu ertränken.
Aber wundersamerweise hat das stehende Gewässer Mitleid, friert zu und erlaubt den beiden eine harmonieumwölkte Flucht in ein besseres Leben, ohne dass genauer gesagt werden könnte, wo oder wie es zu finden sei.
Georg Kaisers sprunghaftes Spätwerk «Der Silbersee» rührt zusammen, was nur selten
zusammen passt: Operette und Sozialdrama, starken Plot und schwache Auflösung, O-Mensch-Pathos und Parodie, auswegloses Elend und absurde Hoffnung. Die dramatische Verzweiflungstat eines aus der Zeit gefallenen Stückeschreibers, der sich in der Zusammenarbeit mit dem jungen Erfolgskomponisten Kurt Weill in eine ähnlich diffuse Hoffnung gestürzt haben mag wie seine beiden Protagonisten.
In Hannover hat sich Schauspielintendant Lars-Ole Walburg des gnädig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Franz Wille
Das ist die Grundfrage am Anfang jedes Stückeschreibens: Guck ich rein oder raus? Rein ins Dunkle des scheinbar heilen Familienlebens oder raus in die Welt, auch kein erfreulicher Anblick? In Bochum begibt sich Reto Finger ins «Haus am See», wo sich die erweiterte Familie alljährlich trifft und es diesmal mit einem unerwarteten Gast ans Eingemachte geht (R: Anselm...
Franz WilleWelche Dekoration für die Kassenhalle und welches Motto erwartet die Theatertreffen-Besucher denn in diesem Jahr?
Iris LaufenbergKein Motto! Das brauchen wir nicht mehr. Es war hilfreich, nicht zuletzt um Journalisten ein Reizthema zu geben. Man sollte das Theatertreffen auch als Ganzes betrachten, nicht nur als zehn einzelne Inszenierungen. Sondern als...
«Ich komm’ aus Kreuzberg, du Muschi!», rotzt die 15-jährige Tanutscha ins Telefon, als ihr Chatpartner am anderen Ende der Leitung vermutet, sie stamme aus gutbürgerlichen «Zehlendorf»-Verhältnissen. Ein Jahr lang hatte die Regisseurin Bettina Blümner Kiez-Alltag und markantes Selbstmarketing der Freundinnen Tanutscha, Klara und Mina mit der Kamera
begleitet und...
